Donnerstag, 11. September 2014

Urlaubseindrücke, Teil 2 - Şirince





 

 Nun waren wir also endlich in Sirince angekommen (ausgesprochen: Schirinje...wie das j bei Jane oder John)
Das alte, griechische, authentische Winzerdörfchen hat nur 570 Einwohner und ist  in den Sommermonaten von Touristen überlaufen.
Es ist 8 km von der Kreisstadt Selcuk und Ephesos,  83 km von Izmir entfernt. Man kann Sirince nur über eine schmale, bergige Landstraße erreichen.




 Wiki sagt: "Ende 2012 erlebte das Dorf einen Besucheransturm, weil manche glaubten, dass nach dem Ende des Maya-Kalenders die Welt untergehen würde, dass aber Şirince aufgrund der Marienverehrung und "positiver Energien" als einziger Ort (neben Bugarach) verschont bliebe."

Die armen Bewohner haben mir so leid getan damals: Obwohl viele doch bestimmt auf ihre Kosten gekommen sind.
Aber ich hatte ja schon mal in einem anderen Beitrag geschrieben:

Der Andrang auf die kleinen Hotels und Pensionen in diesem Dorf waren enorm hoch. Es hieß damals in einigen Berichten im Land: "Es wird mit ca. 60.000 Besuchern aus aller Welt gerechnet und im Dorf gibt es nur 3 öffentliche Toilletten. Ob es einen Weltuntergag geben wird ist nicht sicher, aber für Sirince wird mit Sicherheit eine Welt untergehen."
Hach...*glucks* immer wieder lustig, die Türken.



Nach mehreren Stunden Fahrt mussten wir uns zunächst mal ein wenig stärken, mit leckerem Gözleme und Ayran.


Dann ging es los, zu Fuß durch das Dorf.


Diese türkischen "Nazar"-Augen sind allgegenwertig...immer und überall zu sehen...



Şarap (Scharap=Wein)). Şirince ist berühmt für seine Weine.
Wiki sagt: "Die neuen Bewohner haben die Tradition des griechischen Weinbaus wieder aufgenommen; es werden vor allem einfache Rotweine und Fruchtweine produziert und im Ort verkauft. Auch deutsche Winzer engagieren sich seit 2011 in Şirince. Überregionales Aufsehen erregte der Winzer Erkan Önoğlu, der für den vorgesehenen Weltuntergang einen speziellen Wein namens "Himmelfahrt der heiligen Mutter Maria" produzierte."



...und Verkaufsstände gibt es, ohne Ende.











Mista E. in den Gassen von Sirince...es gab für uns beide viel zu fotografieren.










Diese Frau verkaufte selbstgebackenes "Köy ekmegi", Dorfbrot.


  
Dann nahten wir uns endlich der alten Dorfkirche. 

Wiki sagt:
Bis 1924 lebten im heutigen Şirince vor allem christliche Griechen. Damals war die Stadt wesentlich größer und ein wichtiger Handelsort für die umliegenden Klöster. Şirince war auch ein religiöses Zentrum. Es hieß, die Jungfrau Maria wäre dort in den Himmel aufgefahren. Nach dem Griechisch-Türkischen-Krieg 1919-1922 kam es zu einer großen Umsiedlungsaktion. Die Griechen wurden aus Şirince vertrieben und Türken, die aus der Gegend von Thessaloniki  und Kavala vertrieben worden waren, zogen ein. Die Kirchen und Klöster wurden geplündert und aus dem griechischen Friedhof wurde der Busparkplatz nördlich des Ortseinganges. Die Sankt-Johannes-der Täufer-Kirche aus dem 19. Jahrhundert ist ausgeräumt und steht heute leer, auch die benachbarte Marienkirche ist leer und in einem desolaten Zustand.
1926 gab der damalige Gouverneur von Izmir, Kazım Dirik, dem Ort den neuen Namen Şirince (Türkisch für Freundlichkeit)

Kilise=Kirche...das Cafe an der Kirche




 







Zum Abschluss besuchten wir noch das Museum

Eingang zum Museum.



"Taş mektep", Stein-Schule (weil sie aus Steinen gebaut wurden). So nannte man die Schulen, aus der osmanischen Zeit, in dem jüngere Kinder bis zu 10 Jahren unterrichtet wurden. Sie lernten lesen und schreiben und hatten Religionsunterricht.
"Tanzimat'tan Cumhuriyete", von der Reform im osmanischen Reich bis zum Freistaat/Republik.
"Egitim Tarihi Müzesi" , Museum der Bildungsgeschichte



 

Hier das damalige Dorf mit der Kirche.
Wie man sieht, hat sich das Dorfbild in den letzten Hundert Jahren kaum verändert.
Der Ort steht ja auch unter Denkmalschutz. Das macht wohl auch den Reiz dieses Dorfes aus und ist deswegen so beliebt.


Altes Schulmaterial


Ein altes Zeugnis/Urkunde, damals noch in arabischer Schrift.
Atatürk schaffte sie ab und führte die lateinische Schreibweise ein.
" Dabei orientierte er sich am Deutschen, Französischen und Rumänischen, weswegen im heutigen türkischen Alphabet die Buchstaben Ü und Ö, das Cedille Ç und das Ş Verwendung finden." , sagt Wiki.

Eine Zeitung aus dem Jahr 1919

Der berühmte Konak-Platz in Izmir, um 1900 rum


Ein altes Gedicht, das ein damaliger Lehrer geschrieben hat, in dem es um den Namen des Dorfes geht. Quasi eine Lobhudelei  an Sirince und warum man es so nennen sollte und nicht "Kirkinca".  
Denn (laut Wikipedia) :
"Über die Entstehung von Şirince und die Namensgebung gibt es verschiedene Geschichten. Wahrscheinlich wurde der Ort Anfang des 15. Jahrhunderts von Ephesern gegründet, die bei der Eroberung durch Timur ihre Stadt aufgaben und sich in die Berge zurückzogen. Eine andere Version erzählt von Sklaven, die sich dort niederließen und den Ort Çirkince (türkisch für Hässlichkeit) tauften, um weitere Siedler abzuhalten. In der dritten Variante sind es 40 freigelassene Sklaven, nach denen der Ort ursprünglich Kırkinca (türkisch vierzig: kırk; die Vierzig) genannt wurde."


Altes Zimmer und Möbelstücke  von damals...


Wir haben natürlich auch einige Fruchtweine mitgenommen und sie später an gemütlichen Sommerabenden in Mersin genossen. Einige schmeckten leider nicht so gut. Wir müssen an den falschen Weinhändler geraten sein...
Obwohl..."mitgenommen" ist nicht ganz richtig. Da zu unserem Pech an dem Tag die Präsidentschaftswahl war, durfte kein Alkohol verkauft und öffentlich getrunken werden. Die Flaschen wurden uns per Post nachgesendet.
Obwohl ich  nach dem Wahlergebnis eh was viel stärkeres gebraucht hätte... *grummel*







So... danach machten wir uns wieder auf den Weg.

Zurück über Selcuk......(unten die Zitadelle von Selcuk)




.....nach Bodrum.



Kurz bevor es dunkel wurde, kamen wir in Bodrum an....





...und was wir dort so alles gesehen und erlebt haben, zeige ich euch im nächsten Teil:)



Kommentare:

  1. Boah, sind das wunderwunderschöne Bilder! Und das, wo es hier so herbstlich wird! Da meldet sich das Fernweh aber ganz massiv. ;))

    Sehr interessant, das mit Şirince. Vor allem im Zusammenhang mit der Maya-Prophezeiung. Musste... äh... durfte damals auch einen Weltuntergangstext schreiben, aber das mit dem Bergdorft wusste ich nicht, sonst hätte ich's selbstverständlich erwähnt. *g* Und sehr geschäftstüchtig, der Winzer mit seinem Weltuntergangswein. Der könnte der Renner in den dunklen Monaten (so November und Januar und jedes PMS) werden. Der Wein, passend zur Stimmung. ;))

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  2. Huhh, wie schön! Man hat das Gefühl, man muss da sofort hin, so schön sind die Eindrücke deiner Beschreibungen. Sirince ist wirklich ein schönes Dörfchen und die Einwohner recht geschäftstüchtig ;-) Ich freue mich schon auf die nächsten Urlaubsberichte! LG Sabina

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  3. Ah Ayse, danke für deinen ausführlichen Bericht über Şirince, hab' mich fast wie dort gefühlt. Meine Cousine war diesen Sommer auch dort und hat nur geschwärmt. Steht jetzt auf meiner Liste mit den zu besuchenden Orten in der Türkei. Freue mich auf deinen Bodrum Bericht (bitte ganz schnell!) Selamlar

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  4. Danke für dieses tolle und informative Posting. Beim zweiten, bzw. dritten Bild dachte ich tatsächlich: Höh, das ist doch Griechenland?! ;)

    LG

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