Samstag, 4. Januar 2014

Kinderkrankenschwester goes Altenpflege



Wickeln, Popo abwischen, füttern, (den dementen Personen) alles nochmal und nochmal erklären, gut zureden, etc......


....der Kreis schließt sich.


Ich wusste ja eigentlich schon vorher, dass das nichts einfaches sein würde, aber dass es SO hart  ist..... körperlich und seelisch.... ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich allein in diesen 2 Wochen erlebt habe.

Von der körperlichen Belastung will ich erst gar nicht sprechen. Ich war außerdem noch krank, hab mir die Seele aus dem Leib gehustet, tagelang, mit nur 2-3 Stunden Schlaf,  aber wollte nicht schon zu Anfang schlapp machen und sagen: "ich bin krank, ich kann nicht kommen." Nur einen Tag musste ich aussetzen , weil es gar nicht mehr ging. Ich wäre wahrscheinlich nur noch zusammengebrochen. Mit dem freien Wochenende, der dann noch im Anschluss kam, war es dann eine Wohltat, ein wenig auszuruhen.


Und was die seelische Belastung angeht......... ach..... womit soll ich anfangen, wovon soll ich zuerst berichten...


Dann war da  noch...

.....die eine Heimbewohnerin, die sich an Heiligabend (in meinem Frühdienst) so sehr darauf gefreut hat, ihren Mann zu besuchen, der im Krankenhaus lag. Der Sohn sollte vorbeikommen und sie mitnehmen. "Ihn umarmen, ihn streicheln und drücken" wollte sie, weil sie ihn so sehr vermisste und sich so auf ihn freute. 60 Jahre seien sie schon verheiratet.... sechzig Jahre.....Den ganzen Morgen hat sie von nichts anderem geredet.
Dann kam der Sohn.
Er erzählte uns, dass der Vater in der Nacht verstorben sei.


.....die etwas demente Frau, die ihre heißgeliebte Schwester so sehr vermisst und jeden Tag weint, weil sie nicht zu Besuch kommt. Die Schwester ist selbst stark in ihrer Bewegung eingeschränkt und kann kaum mehr gehen, deswegen kann sie auch nie kommen, sie wird selbst von ihrem Mann gepflegt.
Ich habe mich sehr darum bemüht und schließlich von der Pflegedienstleitung das "o.k." dafür bekommen, sie zu ihrer Schwester zu begleiten. Ich habe angeboten, an meinem freien Tag mit ihr dahinzugehen. Gestern haben wir sie besucht..... das Zusammentreffen, die Freude der Schwestern, das Besprochene, der ganze Besuch, die Verabschiedung, die Dankbarkeit der Menschen...... ich war schon lange nicht mehr so gerührt....und glücklich.


.....die liebenswürdige und -trotz ihrer 92 Jahre, die man ihr absolut nicht ansieht- gepflegte, intelligente Dame, die niemanden außer ihren Sohn hat, der zu Besuch kommen kann. Der widerum auch so weit weg wohnt, dass er so selten kommt und sie so einsam ist. Nicht allein, aber einsam. 
Heute hatte ich endlich mal die Gelegenheit, mich etwas länger mit ihr zu unterhalten und war so begeistert von ihr. Man kann so herrlich tiefsinnige Gespräche mit ihr führen.. Ich habe ihr vorgeschlagen, ab und zu mit ihr mal rauszugehen, spazieren, einen Kaffee zu trinken...sie hat sich sowas von gefreut, das hättet ihr mal sehen sollen! Ich fühle mich so bereichert und sie alle sind so dankbar....auch wenn es nur so eine kleine Geste ist, eine kleine Zuwendung....sie sind sowas von dankbar....


....und die vielen anderen Heimbewohner, mit all ihren traurigen Geschichten und Schicksalen. Es macht mich so fertig.  Aber das motiviert mich umso mehr, für sie da zu sein, soviel es nur geht.
In letzter Zeit habe ich sehr viel nachdenken müssen, über meine Zukunft, über die Zukunft meiner Eltern.
Ich war ja eigentlich schon nie ein oberflächlicher Mensch, aber dieser Job hat mir mal wieder vor Augen geführt, was das Wesentliche im Leben ist.
Auch wenn es verdammt schwer ist, ich bin so froh, dass ich diesen Job angenommen habe.
Und auch wenn ich es evtl. nicht lange machen kann, werde ich mich auf jeden Fall in meiner Freizeit  bemühen, diese Menschen ab und an zu besuchen.
Es ist eigentlich einfach.... so einfach, Menschen glücklich zu machen.



Ich musste das alles hier mal abladen. Danke, wenn ihr bis zum Schluss durchgehalten und alles gelesen habt.

Habe mir leider nur die Zeit genommen, diesen Beitrag zu posten, für mehr reicht es nicht. Ich lese zwar bei euch allen zwischendurch mit, aber für Kommentare fehlt mir einfach die Zeit, bitte seht es mir nach. Nächste Woche muss ich für ein paar Tage ins Krankenhaus, die blöde Nierenzyste ist mittlerweile so groß, dass sie raus muss. Wird punktiert, keine große Sache. 
Aber danach die Woche habe ich wieder meinen Nachtdienst, endlich! Ich glaube , noch nie habe ich mich darauf so sehr gefreut wie jetzt. Dann habe ich wieder mehr Zeit für euch (und mich).
Danke, dass ihr mir trotzdem treu bleibt!

So, jetzt bin ich so kaputt... was warmes trinken, dann ab ins Bett.
Bis demnächst!

Kommentare:

  1. Oh Ayse, es ist so schön, von dir zu lesen!
    Habe mich schon gefragt, wie es dir ergehen wird. Ich weiß (auch nicht aus eigener Erfahrung, aber von anderen), dass die Altenpflege gerade auch psychisch so unglaublich hart ist...und dann du als mitfühlende und empathisch versierte Frau...
    Vergiss dich über all dies nur nicht selbst!

    Liebe Grüße un ein wunderbares neues Jahr!

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  2. An dieser Stelle Hut ab, dass du das alles durchziehst und versuchst zu helfen (ich weiß ja aus eigener Erfahrung wie schwierig das ist)
    Ach ja ich war bis jetzt immer nur eine "stille Leserin" deines Blogs, wollte nur mal sagen, dass dein Blog super ist!!! In diesem Sinne schöne Grüße aus Österreich mit türkischem Migrationshintergrund. ;)

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  3. Ach Ayse,
    es ist so schön das zu lesen.
    Ich weiß, es ist schwer und oft so traurig, weil die Menschen am Ende des Weges stehen.
    Aber es ist so wunderbar, dass es andere Menschen gibt, die sie begleiten.
    Und ehrlich, auch wenn Du es nicht lange aushälst, dann ist das doch eine Erfahrung, die Dich anders mit den Alten im Alltag umgehen läßt.
    Ich wünsch Dir gute Besserung und mehr Schlaf!

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  4. Filinchen
    Ach, liebe Ayse - wenn ich könnte, würde ich Dich klonen! Du bist ein Segen für die Menschen in diesem Heim. Möge Dir Deine Herzensgüte und Dein Mitgefühl niemals abhanden kommen. Einige Bedenken habe ich allerdings wegen Deiner Bronchitis; die meisten Deiner Patienten sind doch abwehrgeschwächt.

    Überstehe Deinen Eingriff gut und schnell. Ich hoffe, Du hast dort so nette Krankenschwestern, wie Du eine bist. Gute Besserung und ganz liebe Grüße.

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  5. Kinder, alte Menschen... Das eine waren wir, das andere werden wir. Als menschen sind wir alle bedürftig. Vergessen und verdrängt wird das nur allzuoft und gern. Und es stimmt: es gehört nicht viel dazu, sich Menschen zuzuwenden, ihnen eine Freude zu bereiten.

    Alles Gute für deinen Eingriff. Ich denk' an dich!

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  6. Ach ha jee liebste Ayşem! dann ist es jahr für Dich ein sehr intensiver Jahreswechsel wohl gewesen. Gute Besserung auf jedenfall und ich hoffe Mista E. sorgt wenigstens dafür, dass es Dir daheim gut geht. Sonst krieg raus wo der wohnt ey.
    Dein Beitrag hat mich wirklich gerührt und es gibt nichts vieles dazu zu sagen. İch denke mir einfach "vergiss nicht dilek, Du wirst auch mal (hoffentlich) alt" es ist bestimmt nicht einfach damit umzugehen, aber wenn man es geschaft hat ist es doch bestimmt ein sehr gutes Gefühl oder?
    Und ich glaub dass ist das richtige einer nicht netten person direkt zu sagen was Sache nun ist.
    İch umarm Dich ganz feste und bin so glücklich dass es Dich gibt und werd ganz schnell wieder Gesund...

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  7. Wenn ich bei Oma im Pflegeheim bin, sehe ich das auch immer. Ich wünschte meine Oma hätte auch Dich! Die sind da zwar wirklich alle superlieb, aber halt nun mal keine Ayse.
    Und alles Gute bei der Punktion!

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  8. Tja meine Liebe,

    was soll ich sagen? Willkommen in meiner Welt! Ich kann dir so gut nachempfinden, sowohl was die 'nette Kollegin' angeht, als auch die Bewohnerschicksale, die einem oft ganz schön zu schaffen machen.
    Eins solltest du aber nicht machen, und das ist krank zur Arbeit gehen. Ich hatte drei Wochen nach Beginn auch einen Unfall, der mich zum daheim bleiben nötigte. Das ist viel weniger schlimm als man annimmt. Außerdem wird niemand absichtlich krank;)
    Respekt hab ich allerdings vor deiner Reaktion auf die Kollegin und zwar total! Ich finde das so mutig. Bei meiner trau ich mich das nämlich nicht, warum auch immer. Ich fress im Moment so viel in mich rein, dass ich beschlossen hab mich dort in der Einrichtung nicht zur Ausbildung zu bewerben. Deinen Weg find ich dahingegen viel schlagfertiger, toller, richtiger, besser!
    Halte durch - manchmal sind sehr schöne Momente dabei!

    Viele, liebe Grüße,
    N.

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  9. Ein toller Post. Ich ziehe den Hut vor Menschen, wie dir, die diese Belastung schaffen

    Liebste Grüße zu dir :-)

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  10. Hallo, Deinen Post jetzt noch zu lesen war schön. Schön dass es Dir gut tut, wenn auch manches hart ist.
    Aber selbst wenn Du es nicht lange machen kannst, wirst Du immer mit einem guten Gefühl daran denken.

    Liebe Grüße Daniel

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  11. und dahaaan..wenn du Zeit haaaast musst du mich noch pflegen, ich habe mir den Finger in einer Tür gequetscht und aufgerissen. voll eklig mit viel Blut *kreisch-in-ayses-arme-sink*
    Also ich hab meine Mom 10 Jahre gepflegt und hab alles durch... deshalb verstehe dich seeehr gut aber für mich wäre es auf Dauer nix mehr (zu belastend). Das Problem ist das abschalten (ala Peter Lustig)..... das geht nicht. Ich hoffe du hälst es noch ne Weile durch :) sei lieb umärmelt, und klar bleib ich treues Lesehäschen :D

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  12. Liebe Ayse,
    ich musste ein bisschen weinen, als ich deinen Post las. Es sind so viele einsame Menschen im Heim und deren Geschichten sind so traurig. Ich bewundere dich, dass du diese Arbeit angenommen hast und hoffe, dass es dich nicht zu sehr belastet.
    Alles Gute für deinen Eingriff.
    LG Susann

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  13. Aysenputtel, Du bist so ein heftig GUTER MENSCH, das ringt mir echt immer wieder tiefsten Respekt ab.

    Ab davon alles Gute für die Krankenhausgeschichte, auf dass alles ohne Komplikationen verläuft. (Ich kann so gar nicht einschätzen, wie gefährlich so eine Nierenzyste ist. oO)

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  14. Vielen lieben Dank für Eure Kommentare und guten Wünsche...bei einigen war ich total gerührt! DANKE!

    Njala: Wenn ich das nicht als Nebenjob machen würde und nicht das Glück hätte, aufhören zu können, wann ich will, wäre ich glaube ich auch etwas geduldiger und vorsichtiger gewesen mit meinem "Auftritt". Ich MUSS das Gott sei Dank nicht machen, deswegen ist es dann schon etwas entspannter und man ist ein wenig mutiger mit sowas. Aber lass Dich bitte nicht unterkriegen, sowas belastet einen ungemein. Die sollen sich bloß nicht aufführen, als wären sie Gott. Jemand muss denen auch mal die Meinung sagen. Unmöglich sowas.... GLG

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  15. Liebes Aysenputtel,
    dein Blog hat mich sehr berührt. Ich bewundere deine Kraft und deine Art, die Dinge klarzustellen. Weiter so, ich drück dir die Daumen bei deinem Eingriff und hoffe, dass du noch vielen ein solch gutes Stück Ehrlichkeit und Stärke mit auf den Weg gibst. Was du hier für andere Menschen tust, ist bewundernswert. Ich werde mit Sicherheit ein treuer Leser bleiben, gerade weil es auch beruflich für mich interessant und schön zugleich ist, was du hier schreibst.
    Lass dich nicht unterkriegen!
    Sigrun von
    Job Altenpfleger

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    1. Hallo Sigrun, vielen Dank für Dein Kommentar und Deine einfühlsamen Worte.
      Ich werde natürlich weiter davon berichten (und es wird bald wieder einiges zu berichten geben. Es passieren ständig Dinge, die mich immer wieder erstaunen lassen)
      Du kannst da bestimmt auch einige Liedchen von singen...
      Einen lieben Gruß

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    2. Oh ja leider kann ich das. Aber man versucht doch immer die guten Seiten im Auge zu behalten und wenn man weiß, dass es Gleichgesinnte gibt, fällt einem das leichter.
      Liebe Grüße
      Sigrun

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  16. Das sind tolle und emotionale Geschichten von den alten Menschen. Leider werden sie oft einfach abgeschoben und vergessen. Man vergisst, dass sie einen geboren und groß gezogen und immer für einen selbst da waren. Das ist einfach schrecklich. Kinder sind heute alles wie es scheint. Die Alten sind unwichtig :-(

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