Donnerstag, 29. August 2013

...und freuen, freuen, freuen!


Heute endlich die erlösende Nachricht am Telefon, auf meine Nachfrage zum Bearbeitungsstand bei der Versicherung: Das Geld ist heute überwiesen, juchuu!!! Habe mir natürlich sofort einen neuen Kühlschrank bestellt, der übermorgen geliefert wird. Oh Mann, nach sovielen Wochen Ärgernis und Frust (und schlecht gewordener Milch), endlich mal was Positives.

Danke übrigens an alle, für die Kommentare zum vorherigen Beitrag. Weil aus den Kommentaren schon ein  Interesse zu den Details der Standesamt-Geschichte zu erkennen war, werde ich mal zusammenfassen, was es damit auf sich hatte. Sorry schon mal für den langen Text. Sollen es halt nur diejenigen lesen, die es interessiert und die nachgehakt haben. (Nadine, Deine Meinung würde mich besonders interessieren, da Du ja in der Branche tätig bist? Also, in einer Stadtverwaltung)

Ich hatte nach unserem Urlaub dort angerufen und mich informiert. Die Beamtin sagte mir, wir beide sollten mit Ausweise und Geburtsurkunden erscheinen. Termin bräuchten wir nicht, wir könnten so vorbeikommen.
Gesagt, getan.
Als wir bei der Dame, mit der wir auch gesprochen hatten, ankamen,
machte sie schon einen genervten Eindruck. Dies bestätigte sie sogar mit der Aussage: "Ist heute eigentlich sehr ungünstig. meine Kollegen sind krank und ich bin alleine."
Aber kann ich was dafür? Ich durfte/sollte ja ohne Termin vorbeikommen.
Sie schaute sich unsere Ausweise , Geburtsurkunden und die (internationale) Heiratsurkunde an, die wir in der Türkei bekommen hatten und machte eine erschreckende Feststellung: Der Geburtsort  von Mista E. (also die Stadt, er ist in Deutschland geboren) ist im Ausweis/Pass ein anderer, als in der Geburtsurkunde.

Mista E. und seine Familie können es sich nur so erklären:  Damals war das türkische Konsulat etwas weiter weg, in der Großstadt. Beim Ausfertigen eines Ausweises/Passes, hat wohl der türkische Beamte (wie "intelligent" von ihm!) einfach diese Großstadt eingetragen (Blödkopp!). Wir Türken nehmen es ja nicht immer so genau mit solchen Sachen. Besonders früher.
46 Jahre lang hat es nie Probleme diesbezüglich gegeben und es nie jemandem aufgefallen, aber diesmal hat es die ausgefuchste und aufmerksame Standesbeamtin aufgedeckt, ha!

Dafür können wir natürlich auch nichts  (fairerweise-sie ja auch nicht) , aber sie  sagte, das dies natürlich nicht ginge. Wir müssten zum türkischen Konsulat und dort einen neuen Pass/Ausweis beantragen (Ja, Mista E. hat noch die türkische Staatsangehörigkeit).
Die Heiratsurkunde wäre dann natürlich auch ungültig, da dort ja auch die falsche Stadt angegeben ist. Das müsste dann ja auch noch geändert werden (wie auch immer).

Und das alles natürlich mit einem megagenervten  und unfreundlichen Ton.

Dann kam ICH an die Reihe.

-Sie waren auch schon mal verheiratet?
+Ja.
-Ich muss ja wissen, wie sie zu dem Namen gekommen sind. Deswegen brauche ich von ihnen die Heiratsurkunde von der damaligen Ehe.
+Oh..die hab ich aber leider nicht mehr, tut mir Leid...schon soo lange her.. (war mir sehr unangenehm)
-Das müssen sie dann auch beim türkischen Konsulat (weil wir dort geheiratet hatten damals) beantragen

Ich wollte ihr noch einige Fragen stellen, aber sie antwortete mit so einer genervten Miene , so unfreundlich, dass ich einfach keine Lust mehr hatte , sie noch irgendetwas zu fragen.

Zuhause bereitete es mir schlaflose Nächte, weil ich ständig darüber nachdenken musste, wie blöd das jetzt war. Denn zum türkischen Konsulat zu gehen heißt immer Horror! Man muss den ganzen Tag anstehen und in den Warteschlangen warten, muss sich dafür natürlich einen Tag freinehmen, man wird nicht gerade sehr freundlich behandelt (oh, welch Überraschung) UND es kostet alles ein Haufen Geld. Zumal Mista E. erst letztes Jahr einen neuen Pass beantragt hat , für 10 Jahre, und fast 200 Euro dafür bezahlt hatte.

Der Ausweis, die neue Heiratsurkunde, meine alte Heiratsurkunde...das geht alles sowas von ins Geld! Wegen dem Kühlschrank und noch eine weitere Zahlungsgeschichte (die ich euch hier aber wirklich ersparen möchte), so direkt nach'm Urlaub, wo eh ziemlich Ebbe herrscht im Portm...Port...äh..im Geldbeutel... war es halt super ärgerlich.

Nach ein paar Tagen, habe ich mein altes Scheidungsurteil rausgekramt (DEN hatte ich noch) mich nochmal dahingewagt, mit der Hoffnung, dass  ich mit jemanden reden kann, der wenigstens einen freundlicheren Umgang draufhat.

Ich habe dem Beamten erzählt, dass ich schon mal hier war , aber seine Kollegin wohl einen schlechten Tag hatte und ein wenig unfreundlich war. DAS hätte ich wohl nicht erwähnen sollen! Als wenn er um jeden Preis seine Kollegin ins rechte Licht rücken wollte, kam er mir mit so einem Ton an, dass ich dachte: "Wo bin ich denn JETZT hier gelandet?"

-Wie oft muss man ihnen das denn noch erzählen!?
+ Aber ich wollte nur wissen, ob denn das Scheidungsurteil nicht ausreicht, denn daraus kann man doch ersehen, dass ich schon mal verheiratet war...denn wie kann ich denn geschieden worden sein, wenn ich nicht-(er fiel mir laut ins Wort)
-Nein das reicht NICHT aus!! Das ist Gesetz!! Vielleicht mag das in ihrem Land, bei den Türken so sein, aber bei uns ist das so!!

Äh...ja... Manitu hat gesprochen. Hugh!

Ach, er räumte aber ein, dass er für die Namensänderung den Ausweis eigentlich nicht bräuchte, also keinen neuen....ich fragte, ob sich dann die Kollegin geirrt hatte? Er ging zu ihr, besprach mit ihr was..und dann kam er wieder und der dreiste Ton ging weiter. Ich solle mit den ganzen neuen, geänderten  Unterlagen wiederkommen.
Ich fragte noch (und musste mich dabei zusammenreißen nicht zu heulen), warum er eigentlich so unfreundlich sein muss, ob es nicht mit ein wenig freundicherem Ton ginge.
Seine Antwort: "Das ist kein Problem mit meinem Ton, sondern ein Problem mit ihren Ohren!"

Er reichte mir die Unterlagen in die Hand, ohne noch irgendwas zu sagen, wie "hier bitteschön" oder so, und mit einem "So! jetzt hab ich's ihr aber gegeben-Blick" Und ich nahm sie genauso stumm entgegen und ging ohne ein Wort zu sagen, wie "dankeschön " oder "tschüss" , aus dem Raum und fing im Flur an zu weinen, vor Wut.

Als mich eine Beamtin mitleidig anschaute, fragte ich nur, wohin ich gehen könnte, um mich über einen Mitarbeiter zu beschweren. Sie sagte "zum Bürgermeister, der ist oben" und kümmerte sich so lieb um mich, rief dort an, schickte mich hoch. Ich war ihr so dankbar.
Der Bürgermeister war im Urlaub, die stellvetretende Dame war sehr entgegenkommend, hörte mir zu, entschuldigte sich innigst für den Vorfall und im Namen der Mitarbeiter. Sagte, Standesbeamte würden extra zu Fortbildungen geschickt, wie sie mit den Bürgern umzugehen hätten und schüttelte nur den Kopf.
Versuchte mir zu helfen , in dem sie den Abteilungsleiter anrief um die Sache zu erledigen. Kam dann aber mit der Aussage: "Leider ist es wohl tatsächlich so. Tut mir Leid, das ist bestimmt sehr ärgerlich für sie aber sie müssen alles beim Konsulat beantragen" Ein Scheidungsurteil wäre eine sogenannte "Negativbescheinigung", man bräuchte aber eine "Postivbescheinigung", also die Heiratsurkunde. So ungefähr...wie auch immer.

Aber sie hat es mir so verständlich , vor allem FREUNDLICH erklärt, dass ich ihr antwortete:

"Vielen Dank! Wenn ihre Mitarbeiter mir es auch genauso erklärt hätten, mit einem freundlicherem und humanem Ton, dann wäre auch alles ok gewesen. Ich hätte mich bedankt und wäre gegangen. Ich habe mich ja gar nicht mehr getraut Fragen zu stellen, so eingeschüchtert war ich."

Ist doch wahr. Ich bin wirklich nicht  eine Türkin, die begriffstutzig ist und sich nicht vernünftig artikulieren kann , oder nicht weiß, mit welchem Ton man mit Menschen redet oder so.
So jemanden noch SO fertig machen? Geht's noch?!

Sie sagte auch, dass sie es ganz besonders traurig fände, dass  doch eigentlich ein so positiver und schöner Grund meines Besuches, wie Namensänderung, Heirat....so mit Tränen enden musste. Sehr traurig fände sie es.

Wie recht sie hat...


Zum Konsulat sind wir noch nicht gekommen. Werden wir jetzt in Kürze erledigen.
Ich werde berichten.
Aysenputtel, NRW.
*schnief*





Kommentare:

  1. Du meine Güte, da wiehert der Amtsschimmel - was gar nicht soooo schlimm wäre, wäre es, wie du schon sagst, freundlich abgelaufen. Aber so? Unglaublich :(

    Viel Spass mit dem zukünftigen Kühlschrank *gg*

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  2. Na super!

    Ich habe auch eine Amtsphobie.
    Ich frage mich manchmal ob Unfreundlichkeit eine Einstellungsvoraussetzung für Beamte ist oder ob die im Lauf der Jahre so frustriert und unfreundlich werden.

    Wenn es geht vermeide ich ja Ämter, aber man kann sie ja nicht immer meiden.

    Ich bin mal gespannt auf deinen Bericht vom türkischen Konsulat, ob die dort wenigstens etwas freundlicher sind.

    Viel Erfolg in jedem Fall!

    Und toll, dass die Versicherung schon überwiesen hat.

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  3. Die deutsche Bürokratie ist total schlimm. Da genügt nicht ein einfaches 'ich benötige Hilfe', da muss ein 20 Seitiger Antrag her, am besten in dreifacher Ausfertigung. Dann wird man von Pontius nach Pilatus geschickt, könnte ja sein, dass man auf halbem Weg aufgibt, aber hey, immerhin 5 Beamte bezahlt, zu denen man nacheinander rennen muss. So ist das hier. Tut mir sehr leid für dich/euch, dass das so eine unangenehme Prozedur geworden ist.

    Aber hey... bald gibts n neuen Kühlschrank -ok,ok nicht unbedingt wirklich tröstlich, aber wenigstens was.

    Viele, liebe Grüße und n och einen tollen Tag für dich!
    N.

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  4. Schön, dass wenigstens die Kühlschrankgeschichte nun schnell Geschichte sein wird. Zu deiner Standesamtgeschichte bin ich jetzt einfach nur baff ... unglaublich !!! Ich hoffe, die Beiden geraten mal in einer anderen Situation an einen ähnlich gepolten Mitarbeiter einer Behörde !

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  5. Filinchen
    Da kann man Deine Wut und den Frust richtig nachvollziehen. Behörden und die Vorschriften können manchmal wirklich nerven, aber es hat ja auch Vorteile, wenn alle gleich behandelt werden (hoffentlich). Aber, wie Du schon sagst, der Ton macht die Musik, und der Kommentar bezüglich Deiner Ohren ist eine bodenlose Frechheit. Wenigstens war die stellvertretende Bürgermeisterin verständnisvoll. Hoffentlich triffst Du im türkischen Konsulat auf hilfsbereite und freundliche Mitarbeiter.

    Gratuliere zum neuen von der Versicherung bezahlten Kühlschrank. Im Sommer ohne Kühlschrank - das ist eine ganz fiese Sache.

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  6. Wirklich frech... aber zum Glück hattest du ja am Schluss noch nette Hilfe.. macht das Erlebnis aber trotzdem nicht ungeschehen. Nochmal: ich bewundere dich dafür, dass du dich beschwert hast. Ich wäre wahrscheinlich einfach nur gegangen und hätte meine Wut am Beißholz abreagiert...

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  7. Ich sag jetzt mal nicht zum Standesamt. Mit denen hatte ich auch schon mal großen Trödel. Da wird einem wieder mal klar, dass nur weil es ein Amt ist, da trotzdem Vollpfosten rumsitzen können. Paragraphenreiten, unflexible, nicht hilfsbereite und nicht lösungsorientierte ... So!!
    So einen tollen Kühlschrank wolle ich auch schon immer haben. Aber es war entweder zu wenig Platz oder ich hatte nicht genut Geld. Und jetzt könnte ich, aber weiß nicht, wie ich den denn füllen soll. Für uns, oder ja zur Zeit nur für mich, ist der viiiiiiel zu groß. Seufz.
    LG Susann

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  8. Ach du meine Herren, ich glaub, hätt ich da nebendran gestanden, da wär ich aber geplatzt und das auch ohne dich zu kennen. So geht man nicht mit Menschen um, schon gar nicht, wenn man ein Amt repräsentiert. Unter aller Sau!
    Tut mir echt leid für dich, dass du das erleben musstest. Der hat wohl keine Manieren. An deiner Stelle hätte ich auch vor Wut geheult.
    Fühl dich mal ganz lieb umärmelt.

    Und lass dich nicht im türkischen Konsulat unterkriegen. Oh und nimm dir Schnittchen mit. ^^

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  9. Also, ich hab meine Meinung dazu, die ausführliche Variante ist aber wohl zu lang für Deine Kommentarfunktion.

    Die kurze Zusammenfassung ist, dass nach allem, was ich über Standesamtswesen weiß (das ist nicht allzu viel) davon ausgehe, dass die Herrschaften fachlich richtig gehandelt haben.

    Aaaaaber, und das ist viel wichtiger: Ich bin der Meinung, dass deren Verhalten gar nicht geht, absolut unangebracht ist, und sie sich definitiv weder einen Zacken aus der Krone brechen wenn sie freundlich sind, und dass es allein schon dem menschlichen Anstand entspricht, immer, aber insbesondere auch bei unlogischen Amtsschimmeln die man befolgen muss zu erklären, was man warum braucht. Dabei hat sich noch niemand die Stimmbänder gebrochen, und das sollte eigentlich Standardverhalten im menschlichen Umgang sein.

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  10. Ist schon erstaunlich, dass die Herrschaften in Sachen "Freundlichkeit" geschult werden müssen.
    Ein Kollege von mir macht das bei Finanzbeamten....
    Es ist doch aber so, dass man mit einem Lächeln und Höflichkeit viel mehr erreicht, als mit solch einem Getue.
    Nadine hat schon Recht, gerade, wenn es um unlogische Sachen geht, muss man doch seinem Gegenüber erklären, warum das so ist.

    Nun freu Dich mal auf Deinen neuen Kühli!
    Lieben Gruß und eine Umarmung,
    vany

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  11. Woah, ätzend, ey. Mir schwillt schon beim Lesen der Kamm, echt mal. Zumal ich mich da so dermaßen reinfühlen kann. Es gibt ja so Arten von Unfreundlichkeit, da schrumpft man förmlich in sich zusammen und ärgert sich gleichzeitig selbst, dass man plötzlich so dasteht wie ein kleines Kind, das was verbrochen hat. -.-

    Ätzende Menschen da, echt. :-(

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  12. Hier Ayse, ich hab für uns alle ein paar Flaschen vom guten badischen Wein im neuen Kühlschrank verstaut, wir sollten auf Dich anstossen! Prost,auf Ayse!! Herzliche Grüsse Cassiopeii

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    1. Jaaa, das ist eine gute Idee und ein gutes Schlusswort auf diesen Beitrag!
      Vielen lieben Dank an alle für ihre lieben Kommentare. Und lasst uns anstoßen, auf unser Wohl, prost!
      Danke cassiopeii, LG!:)

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  13. ... ach wie toll ***mitfreu***, immerhin hat sich DAS mal erledigt!! Gut kühl!!

    Der Rest wird auch noch hoffentlich - unglaublich, was in manchen Amtern so abgeht, da muss man sich ja richtig fremdschämen :-(((

    Ganz liebe Grüße
    Bettina

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