Mittwoch, 13. Februar 2013

Von meinem Vater, Steak türkisch, und Herbert.


Mein Vater hat in der Zeit, als er in Deutschland gelebt hat, als Bauarbeiter gearbeitet . Ups, tschuldigung, "Baufachwerker" schimpft sich das ja offiziell.

Immer wieder hörten wir von ihm, ganz besonders mein Bruder:

"Oku. Benim gibi sürünme."

Er meinte damit, dass er studieren solle und nicht so werden wie er. 
Ok, wir sind keine Akademiker geworden, aber haben beide einen "anständigen"  Beruf  gelernt , haben gute Jobs, mit denen wir sehr glücklich leben.

Oft kriegten wir mit, wie er von seinem Arbeitstag sprach und fluchte. Ihr solltet wissen, dass das türkische Fluchrepertoire sehr umfangreich ist. Die Allermeisten sind nicht jugendfrei. Aber sowas von! mmooahaha! *dreckig lach* Wobei meine Mutter fand, dass sie für keinen  Menschen frei sein sollten.
Und ich schwör: Mein Vater kennt sie ALLE!

Aber manchmal gab es auch lustige Geschichten von ihm zu hören. Wie z.B.,
die, als er auf Montage war und sein türkischer Arbeitskollege und er Hunger hatten. Sie suchten eine Gelegenheit , wo sie lecker essen konnten. Es hätte auch ruhig eine Imbiss-Bude sein können.
Aber in dem Ort fanden sie nur ein Restaurant/Gasthaus, nahmen Platz und schauten sich die Speisekarte an, mit der sie nicht so viel anfangen konnten. Um ja nichts falsches zu bestellen (sprich: Nichts ,wo Schweinefleisch drin sein könnte), bestellten sie Rindersteak.
Der Kellner nahm die Bestellung auf und fragte wohl irgendwas mit: "Englisch?"

Beide schauten sich kurz an und antworteten stolz mit Hand auf der Brust: "Nein, nix Englisch...Türkisch, Türkisch!"

Sie dachten, der Kellner habe nach ihrer Nationalität gefragt. Dass man(n) das Steak auch halb blutig essen möchte, und das es dann auch noch 'Englisch' genannt wird...ja woher sollten sie das denn wissen??


Ach, im Nachhinein kann er heute auch darüber lachen...an seine Zeiten hier in Deutschland. Aber zurück würde er auf keinen Fall wollen, sagt er uns immer wieder. Er hat die damalige Rückkehr  nicht einen Tag bereut.
Um diesen einen Besuch vor einigen Jahren (als meine Eltern uns besuchten), mussten mein Bruder und ich wahrlich betteln. Und er wollte auch schnell wieder zurück.

Tja, als die 1.Generation der Türken, als damalige Gastarbeiter, wo der Mann allein eine Familie ernähren und schwer malochen musste, und wo man auch nicht gerade nett behandelt wurde, hatte man es eben nicht leicht. Da hat man auch keinen guten Bezug zu diesem Land.
Integration war für sie damals ein völliges Fremdwort, im wahrsten Sinne. (Obwohl es für viele immer noch so ist...aber dazu vielleicht ein anderes Mal)


Uns geht es da heute ganz anders, Gott sei Dank.

Und ich sag meinem jüngerem Sohn auch manchmal:

"Lerne. Mach was vernünftiges. Sonst geht's dir irgendwann wie Herbert."

Und er ruft mir dann hinterher:

"Eigentlich sollte ich ja lernen.... oh, ein Fussel!"

Narr.  
Er  wird es auch  noch bereuen.

Kommentare:

  1. Bei uns hier gibt es offenbar keinen Herbert. Hier stehen nur 5 Arbeiter um das Loch rum und warten bis die Pause anfängt. Oder der Regen. Oder es ist zu heiß. Zu kalt. Egal. Irgendwann schüttet ein Bagger das Loch wieder zu und es wird nächste Woche wieder aufgebuddelt. Oder noch besser, man wartet, bis der Frost kommt und das Loch von alleine aufgeht.
    Sprachschwierigkeiten beim Essen bestellen in einer fremden Sprache kenn ich auch .. wir waren in Irland und haben Curry bestellt.. ich wusste, dass "hot" auch "scharf" bedeutet - wohl überall, nur nicht in Irland.. meine Freunde haben mich ganz schön ausgelacht - ich hatte das Curry "not so hot" bestellt und bekam es tatsächlich lauwarm. Scharf war es übrigens sowieso nicht. Das gibts wohl nur in England..

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    1. Grmppffff....sorry, nein ich lach nich.

      (pffgmmfff)

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  2. Ja, herrlich, "Herbert". Hängt hier als Postkarte an unserer Pinnwand.
    Traurigerweise trifft das die Situation großer Konzerne zu 100%. *umkipp*
    An den Arbeitern wird gespart, aber der Wasserkopp inkompetenter Menschen, die frisch von der Uni kommen, nix wissen, aber wichtig klingende Titel haben und denen dann noch eine noch wichtiger klingende Berufsbezeichnung hinzufügen können, und für Däumchen drehen dann teuer bezahlt werden, ja, jener Wasserkopp wird immer weiter ausgebaut.

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    1. So sieht's aus, leider.

      Aber die Karte ist der Brüller oder?:)

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  3. Ja, da ist es wahrlich besser, dass es dir und deinem Bruder heute besser geht. Auch wenn man es nicht immer glauben mag, aber in Sachen Integration hat sich ja doch ein bisschen was getan. Und zwar von beiden Seiten aus.
    Und überhaupt: ich liebe dieses multikulti mit all seinen Schwierigkeiten und lustigen Situationen. Man lernt so unheimlich viel, auch über sich selbst.
    Und dein Sohn, der begreift das schon noch. So verkehrt kann er ja schließlich nicht sein mit dir als Mutti ;)

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    1. "Man lernt so unheimlich viel, auch über sich selbst."
      Das hast Du schön gesagt. So wahr.

      Doch doch, er tut schon was. Sein Zeugnis letztens, war das Zweitbeste in der Klasse, mit 2,1 Notendurchschnitt. Kann nicht meckern. (Bis jetzt)

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  4. Unsere englische Freundin war ganz überrascht, daß man hier ein nicht duchgebratenes Steak "englisch" nennt. Sie hätte dann wohl auf die Frage mit "ja" geantwortet, weil sie - genau wie Dein Vater - es für eine Frage nach der Nationalität gehalten hätte. Sie sagte, daß Engländer ihr Steak gern durchgebraten (well done) essen. So gesehen, ist diese Bezeichnung eigentlich überhaupt nicht angebracht. Franzosen "verunglimpfen" die Engländer ebenso, à l'anglais bestellen sie ihr Steak. Gut, daß die Pariser nicht wissen, was wir so benennen.

    Filinchen

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    1. Hihi, aber echt ey!

      Ich hab mich gefragt, warum das blutige Steak eigentlich englisch genannt wird. Hab mal ein wenig geguugelt, aber konnte nicht so richtig fündig werden.
      Hat jemand ne Idee?

      Und es soll ja auch Steak bleu/blau geben. Das bestellt man wohl, wenn man möchte, dass das Fleisch noch zuckt. Örks.

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  5. Irgendwie bin ich oft der Büro-Herbert. Hmpf.

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