Dienstag, 5. Februar 2013

Erinnerungen an mein Heimatdorf...

(Unser Dorf)




Ich kannte/kenne mein Land, mein Dorf nur von unseren alljährlichen Urlaubstagen. Seit ich denken kann,  war -und ist es immer noch- ein sehr aufregendes Erlebnis für mich, in mein Land zu reisen. Allein schon die Fahrt damals dorthin war ein einziges Abenteuer. Tagelang im Auto, mit noch 2 älteren Geschwistern... diese ganze , anstrengende Fahrt auf sich zu nehmen und trotzdem dabei glücklich sein, um schließlich von den (mittlerweile nicht mehr lebenden) lieben Großeltern und anderen Verwandten und Freunden mit offenen Armen überglücklich begrüßt zu werden. Ich denke sehr gern und mit Wehmut an die Jahre zurück...


(Fotos: www.dasbiber.at)


Als ein Kind, dass in Deutschland aufwuchs, war es für mich immer ein unbeschreibliches Abenteuer, diese Gegensätze, diese andere aber wundervolle Welt zu erleben. Alles  was wir hier gar nicht kannten, durften wir dort erleben... Ich sage ganz bewusst "durften", denn es war für mich eine wirkliche Bereicherung, allein schon für meine Erinnerungen.



Die Zeiten erlebt zu haben, wo es im Dorf kein Strom und kein Wasser gab in den Häusern...wo man noch zum Brunnen gehen musste um Wasser zu holen, mit den verschiedensten Krügen... später, die ständigen Stromausfälle mitzukriegen, wenn man gerade Besuch hatte, ferngesehen hatte...diese kleinen Gaslämpchen...





Den Frauen beim Brotbacken zusehen konnte, an den großen Steinöfen draussen. Und sich immer gefreut hatte, dass man vom frischgebackenem, köstlichem Bauernbrot naschen durfte...




Die verschiedensten , Tätigkeiten der Dorfbewohner auf den Feldern, auf den Höfen, in den Häusern beobachten konnte... Feldernten, Obsternten etc... wie immer -mit allen zusammen- auf dem Fußboden gegessen wurde, aus denselben Tellern und Schalen.



Diese extrem aufregenden Hochzeiten mit ihren Ritualen, ihren Sitten... 3-4 Tage und Nächte dauerten sie, und Frauen und Männer haben getrennt voneinander gefeiert. Ich fand es immer höchst merkwürdig und aufregend, wenn die Frauen und Mädels feierten und tanzten, und die Jungs "heimlich" an den Fenstern und Türen standen , um die Mädchen (z.T. ihre Verlobten und Versprochenen) dabei sehen zu können. Sie wurden zwischendurch immer von den älteren Frauen verscheucht, kamen aber sofort wieder und starrten weiter... und die Mädels taten immer so als wenn sie sich genierten und schämten , unter Beobachtung der Jungs zu tanzen, zierten und wehrten sich...kicherten verschämt und nervös herum, warfen ihnen flüchtige Blicke zu...aber hatten keine Lust mehr zu tanzen , wenn die Jungs mal wieder von den Müttern verscheucht wurden...und blühten wieder auf, wenn sie wieder an den Fenstern und Türen standen. Ich dachte mir immer  "ihr verlogenes Weibsgesindel...."  *g*

Wie die Bräute immer aussahen... verhüllt und vermummt. Als ganz kleines Kind erinnere ich mich sogar noch, dass ich geweint hatte, als ich die Braut sah. Mit meinem Psychologen , haben wir später dieses Trauma *zuck* aber gut verarbeiten können. *zuck*




Ich musste letztes Mal  so schmunzeln, als ich auf einer Dorfhochzeit war und dort alles fast so war , wie wir das heutzutage kennen: Braut mit einem "normalem" Brautkleid...Mädchen und Jungs zusammen... vor allem Verlobte und Verliebte, die miteinander tanzten.. alle zusammen viel Spaß hatten, so wie es sich auch gehört... und ich an die alten Tage denken musste...

Vieles hat sich verändert bei uns im Dorf...in sehr vielen Dörfern, was auch gut so ist. Aber manche Veränderungen machen mich manchmal ein wenig traurig und ich bedaure es sehr.
Ich bedaure zum Beispiel, dass man diese alten Geräte nicht mehr sehen kann, dass alles von der "modernen Technologie" eingeholt wurde. Die Schafswolle wurde gewaschen und getrocknet, und von den Frauen mit dem Spinnrad zu Wolle gesponnen....und daraus wurden Socken, Strümpfe und Pullover gestrickt.



Butter wurde selbstgemacht. Dazu wurde zuerst aus selbstgemolkener Milch Joghurt hergestellt, dieser kam in einen großen, ovalen Tonkrug..die Öffnung oben am Hals wurde mit einem Stück Leder zugeschnürt, und dann geschaukelt was das Zeug hält. Hin und her...hin und her... stundenlang... da durfte ich immer mithelfen, hat riesigen Spaß gemacht als Kind. In der Mitte gab es ein kleines "Guckloch", dass mit einem Korken (das übrigens aus diesem inneren Teil des Maiskolbens bestand..das Teil, dass man nicht essen kann...komme jetzt nicht d'rauf wie es heißt) Nachdem die Butter dann fertig war, konnte man sie von der übriggebliebenen Flüsigkeit rausfischen, und diese Flüssigkeit war nichts anderes als köstlicher Ayran.

In fast jedem Haus wurde ein Teppich geknüpft. Ich habe immer noch diese speziellen Geräusche im Ohr, wie jedes einzelne Stück Wolle eingeknüpft und zurecht geschnitten wurde... dann die einzelnen , geknüpften Reihen des Teppichs mit speziellen Handgeräten aufeinander gedrückt und geklopft wurden... hatte auch oft mitgeholfen, fand ich super aufregend.

(Bilder: Internet)


Und zu vielen Tätigkeiten, kam man zusammen... ganz viele Frauen, Mädels und Kinder. Man erzählte sich dabei die neusten Dorfereignisse, Geschichten aus alten Zeiten... sang zusammen Lieder...es wurde gesungen und getanzt....


Es gibt so viele Erinnerungen an mein Dorf... so viele, interessante Geschichten, die ich hier alle gar nicht aufzählen kann.

Ja-haaa....immer dieses in Erinnerungen schwelgen, diese Nostalgie...  ich weiß, ich werde alt. Komme mir schon selbst vor, wie meine eigene Omma.
Zeit für's Mittagsschläfchen.

Kommentare:

  1. Neiiin... das gehört einfach dazu, dass man ab und zu in der Vergangenheit wühlt. ;D

    Aber ich gebe Dir recht. Mit zunehmendem Alter wird das auch bei mir extremer.

    LG

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  2. mmmh ....das du immer so Bilder posten musst auf dem das allerleckereste Essen zu sehen ist! Ich will jetzt Steinofenbrot! so. Die Vergangenheit ist zwar vergangen aber sie hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Und wenn es schön aufregend war ist das klasse. :D

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  3. So wunderschöne Erinnerungen... bewahre sie dir gut :-) Und erzähl ganz viel davon!! Wir freuen uns dran und deine Erinnerung bleibt bunt.
    :-D

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  4. Das wirkt tatsächlich sehr ursprünglich in deinem Dorf, da gemeinsam beim Brot backen. Das gibts heute sicher auch nimmer. Da holt jeder das Brot aus dem Laden oder aus der Truhe? Und jeder hat bei jedem mitgegessen? Klingt als wäre das ein eher offenes Leben gewesen, sowas kennen wir ja heute gar nicht mehr. Dass du Teppiche knüpfen kannst find ich allerdings sehr cool. Sowas lernen würd mir glaub auch spaß machen, obwohl ich nicht sicher bin, die Geduld aufbringen zu können tatsächlich mal einen zu Ende zu bringen, glaub sowas dauert auch ziemlich lange.

    Viele liebe Grüße,
    N.

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  5. Ich empfinde das sehr zwiegespalten irgendwie. Einerseits diese wahre Idylle, dieses Urtümliche, weit weit weg von Maschinen und Stress und der Anonymität einer Großstadt. Dieses viele und echte und aufrichtige Miteinander, wo alle füreinander da sind (etwas, woran ich auch bzgl. meiner Oma wehmütig dran zurückdenke).
    Aber andererseits eben auch dieses strenge Korsett seltsamer Regeln für Frauen. :-|

    Nichtddestotrotz wunderschöne Erinnerungen. ^^ Danke für's Teilen.

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  6. Auf der einen Seite finde ich gut, dass man durch Fortschritt vieles erleichtern kann, auf der anderen Seite gehen Traditionen verloren :-( Wie sagt man so schön, es gibt immer 2 Seiten einer Medaille.

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