Donnerstag, 13. September 2012

Türkische Gastfreundschaft - Teil 3

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Es musste doch noch ein 3.Teil her.
Mir  sind noch ein paar Dinge eingefallen , die so lustig sind, dass sie hier auch noch erwähnt werden sollten.
Genau das Gleiche, was da im oberem Video zu sehen ist, ist mir  auch schon mal passiert. Nur mit anderen Personen, aber SOWAS von gleich.
Die Gastfreundschaft zwischen den Türken in der Türkei, ist in manchen Dingen nicht die Gleiche  wie die, zwischen den Türken in Deutschland. 
Wenn man in der Türkei zu Besuch ist, 
werden die Gäste von den Gastgebern alle einzeln abgefragt, wie es ihnen geht.
"Nasılsınız?" (Wir hatten ja gelernt: Das i ohne Punkt wird ausgesprochen, wie der Vokal der ganz kurz zu hören ist zwischen dem B und dem  L bei dem englischen Wort 'impossible'. So etwa.. 'impossıbıl'.
Diejenigen antworten dann darauf mit:
"Tesekkür ederim, iyiyim. Siz nasılsınız?" (Danke, gut. Und ihnen?)
Das ganze geht dann reihum. Es ist zum Wahnsinnigwerden.
Wir saßen damals -ich war ein junges Mädchen- mit 7-8 Personen als Gäste und wurden von der Gastgeberin einzeln befragt. Jeder hat geantwortet und zurückgefragt. Irgendwann dazwischen war ich dran. Als sie mich fragte, wie es mir geht, antwortete ich ihr auch ganz brav mit "iyiyim, tesekkür ederim" Gut. Was soll ich denn sonst antworten? Ich konnte in dem Moment ja schlecht sagen: "Och, mir geht's total scheiße. Hab grad meine Tage, Unterleibsschmerzen, das Wetter ist so heiß, ich schwitz wie'n  Schwein. Fürterlich alles" Es ging allen gut. Und obwohl ALLE wussten, dass es ALLEN gut gut gehen würde, wurde man gegenseitig befragt.
Ich sagte also, danke, gut. Als es  dann um's Zurückfragen ging, sagte ich freundlich lächelnd: "Wie es IHNEN geht, frag ich jetzt nicht, ich hab's ja grad in ihren Gespräch mit den anderen mitbekommen, dass es ihnen auch gut geht."
Irgendeine Vernunftsperson sollte doch diesem Wahnsinn ein Ende geben, oder?! Ist doch wahr...
Von meiner Mutter, die auch anwesend war, vernahm ich eine leichte Schnappatmung.
Die Gastgeberin lächelte so, als wenn ich grad einen schlechten Witz erzählt hätte.
Von einigen anderen, war ein schadenfrohes Kichern zu entnehmen.
Dann sagte die Gastgeberin wieder mit ihrer aufgesetzten, übertriebenen Freundlichkeit:"Hach ja...unsere Sitten sind ja auch manchmal komisch, aber was soll man machen, ne? *glucks, kicher* " Ja klar, was machen Sachen, üzmülgüzmül.
Ich saß da (mit beiden Füßen im Fettnapf) und betrachtete sie, wie sie ihre Aufgabe mit Bravour zu Ende brachte.
Respekt!
Auf dem Weg nach Hause schlief ich  ein. Habe den letzten Teil von der  Predigt meiner Mutter also nur so im Halbschlaf mitgekriegt.
Das Video ist eine Szene aus einer türkischen Serie. Dort wird sich genau über diese Situation lustig gemacht. Da kommt die Familie des Sohnes zur Familie der Freundin zu Besuch,  um um die Hand anzuhalten. So typisch und so lustig!
Am Ende ist der Onkel der Braut so genervt, darf es aber nicht so sehr anmerken lassen und fragt: "Siz Ege'li misiniz?"  ("Sind sie Ägäis'ler?") Er will wissen, ob die Familie aus der Ägäis stammt. Dort soll diese Benimmregel wohl gehäufter vorkommen, was ich bestätigen kann. Bin auch eine 'Ege'li'..mpff.
Was ich auch noch eben erwähnen wollte ist der Brauch, dass man beim Abschied, besonders wenn man jemanden zu einer längeren Reise verabschiedet, ihm Wasser hinterher schüttet.
Man sagt: "Su gibi git, su gibi dön"
"Geh so wie das Wasser (flüssig und schnell), komme auch so wieder zurück"
Derjenige soll also eine unkomplizierte, angenehme Reise haben.
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Nicht nur in den Wohnungen bei Freunden und bekannten wird man mit offenen Armen empfangen. Rührend find ich immer, wenn man irgendwo auf der Reise , an irgendeinem Dorf vorbeikommt, oder auf dem Land, nach dem Weg fragt oder  kurz Rast macht und von wildfremden Menschen angesprochen wird, zum Essen eingeladen wird, etwas angeboten bekommt etc.
Auf  Fremde zuzugehen...damit hat man bei uns überghaupt keine Probleme. Sofort kommt man ins Gespräch und nach kurzer Zeit kann es vorkommen, dass man gegenseitig seine ganze Lebensgeschichte kennt.
Aber dieses Zugehen auf  Fremde, wenn man in den Ferienorten an Restaurants vorbeikommt, ist alles andere als schön. Dieses penetrante, aufdringliche, fast reingezogen werden in die Läden, find ich FURCHTBAR!
Das müssen wir aber nochmal üben Kollegas!

Kommentare:

  1. Ich denke ja, das hat was mit dem Klima und dem daraus folgenden Leben "draussen" zu tun, da man das in allen warmen Regionen der Welt beobachten kann. Man findet schneller zueinander, "weil man sich sieht".
    Im Gegensatz dazu sei vielleicht Island genannt: Grottenwetter, die Leute hocken drinnen und schreiben Geschichten...sind daher irgendwie verschlossener.

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  2. Find es sehr interessant, was es alles so an Bräuchen gibt... Und könnt mich immer halb totlachen, wie du das erzählst... Herrlich! :)))
    Lg, Miriam

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  3. Entzückend und witzig, dieser Brauch, den Reisenden Wasser hinterherzuschütten. Ich hoffe, daß so etwas nicht von allen praktiziert wird, denn dann könnte man Bahnhöfe und ZOBs ja nur nur mit Gummistiefeln betreten.

    Diese Frageei nach dem Befinden gibt es bei uns natürlich auch. Aber, von Familie und guten Freunden abgesehen, ist es wie bei Euch auch nur eine Formalie. Die Menschen wären vermutlich entsetzt, bekämen sie eine wahre Antwort.

    Ich habe mal gelesen, daß dieses Aufeinanderzugehen und Gastfreundschaft anzubieten, in vielen Ländern einfach zum Überleben nötig war. So konnte man sich auf Reisen begeben, ohne in irgendwelche Gefahr zu geraten. Es ist ja eine Sache auf Gegenseitigkeit. Heute Du, morgen ich. Das sollte sich eigentlich jeder mal vor Augen führen.

    LG
    Filinchen

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  4. Hey... Ich bin neulich durch einen Link der Misanthropin über dein Blog gestolpert und hab mich festgelesen. Hier ist es quasi wie in der Sendung mit der Maus: lehrreich und lustig ;-)

    Sehr schön beschriebene interkulturelle Beobachtungen. Üzmülgüzmül... Koff immer Ofen... Gerne mehr davon!

    Gibt es eigentlich auch deutsche Bräuche, die aus türkischer Sicht sehr skurril wirken? Ich kann mir z.B. vorstellen, dass die Weihnachtszeit für Einwanderer der ersten Generation ziemlich bizarr gewesen ist. Die Hektik mit dem Geschenkekaufen, das Lichterkettengedöns usw...

    Und was hat das "Baby" so auf der Klassenfahrt erlebt? ;-)

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  5. Hey, du Liebe,

    hahaha, "wie die Sendung mit der Maus", da ist was dran ;-)))

    Ich lese auch fleißig mit, ist wirklich wahnsinnig interessant UND witzig, ganz herrlich! Ich fange an, das eine oder andere bei meiner türkischen Bekannten (da, wo ich zum Henna-Abend eingeladen war) wieder zu erkennen, wobei sie sooowas von *intergriert* sind - da gibbet keine Spitzendeckchen usw. ;-D

    Vielen, vielen Dank für die oberlustigen Einblicke&Schilderungen, ganz klasse!

    GLG
    Bettina, die mütterlicherseits ungarische, väterlicherseits schwedische Verwandtschaft hat. Auch ulkig.

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  6. .... vergessen: ganz viel ist mir übrigens völlig vertraut! Wir hatten immer ein sehr offenes Haus, stän-dig Besucherströme, meine Mutter zauberte mit links Essen ohne Ende usw.
    Ich selber mag das nicht so, bzw. finde ich das furchtbar stressig und wir haben mittlerweile eher selten Besuch. Ich bin da anders gestrickt ... wobei, in jungen Jahren haben wir öfter gefeiert, mittlerweile sind wir wohl zu bequem geworden ;-o

    Gutes Benehmen und Höflichkeit sind mir sehr wichtig - da gibt's schon krasse Sachen, uff.

    Gute N8t!
    Bettina

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  7. Danke Euch allen, für die tollen Kommentare!

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  8. Dieses Fragen, wie es einem geht, gibts ja bei uns auch. In meinen Teenagerrebellenjahren hab ich meiner Tante einmal geantwortet: "Beschissen! Ich hab Kopfschmerzen und mir ist speiübel!" Eigentlich hatte sie "Danke, gut. Und Dir?" erwartet. Ich hab anschließend eine Strafpredigt von Mama gehalten bekommen... ohje ohje. Aber mal ganz ehrlich, ein "Danke, gut" wäre echt übertrieben gewesen, wenn man kalkweiß ist und von den Eltern schon fast ins Haus getragen werden muss.
    LG
    Nadine
    nadineswelt.wordpress.com

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