Dienstag, 11. September 2012

Türkische Gastfreundschaft - Teil 2


"Ist schon spät...ich werd dann mal gehen"
"Ach was...bleib doch heute Nacht hier, kannst ja morgen gehen... Schatz, räum doch bitte ein Fach im Kühlschrank aus, unser Gast  wird dort besser schlafen können"



Wenn ein Gast zu Besuch bei guten Freunden ist und er einen längeren Weg nach Hause hat,  wird ihm auch gerne mal angeboten ,dort zu übernachten.  Früher in meiner Kindheit, kam dies sehr oft vor , egal wie klein die Wohnung war. Die Gasteltern durften im Ehebett des Gastgeber-Ehepaares nächtigen , diese schliefen dann auf dem ausziehbarem Sofa und die Kinder teilten sich die Betten. Irgendwie  ging es IMMER. Mittlerweile hat sich dies auch geändert.
Umstände möchte man sich  -gegenseitig-  möglichst ersparen.

Was aber heute immer noch gilt :
Wenn z.B. Freunde oder Bekannte die weit weg wohnen, sich zufällig in derselben Stadt befinden, müssen sie natürlich dort wohnen. In ein Hotel  zu gehen kommt gar nicht in Frage. Sie woanders übernachten zu lassen gehört sich einfach nicht. Wenn die Gäste darauf bestehen, ist man gekränkt.  Aber die moderne Einstellung bei vielen, hat auch in diesem Bereich mittlerweile revolutionäre Entwicklungen erreicht.

Die Menschen sind bequemer geworden  im Gegensatz zu früher, ich behaupte mal , sogar menschenscheuer. Ich weiss noch als Kind, wie wir  jedes Wochenende Besuch bekamen, oder wir zu Besuch waren. Jetzt werden die Besuche viel seltener, man macht Wochen vorher Termine aus dafür.  Wir sind (und mussten) auch immer mitgehen. Schon Zuhause, oder im Auto, auf dem Weg, fing meine Mutter an:

"Das ihr mir bloß nichts anfasst. Lauft nicht in der Wohnung rum, es wird sich brav neben uns hingesetzt. Wenn ihr ins Kinderzimmer geht, keine Unordnung reinbringen, nichts kaputtmachen. Tut nicht so beim Essen, als wenn ihr das Zuhause gar nicht bekommen würdet. Sätze wie: 'Meine Mama kauft das aber NIE!' möchte ich erst gar nicht hören, hört ihr? Setzt euch anständig hin. Ayse, achte auf deinen Rock beim sitzen" Usw....usw. Aber sowas musste sie mir und meinem Bruder Gott sei Dank nicht öfters sagen. Wir waren brave Kinder. *zwinker*

Aber wenn WIR Besuch hatten und die Kinder waren schlimm, machten alles kaputt oder so, dann durfte man sich bloß nichts anmerken lassen, musste immer freundlich bleiben. "Ach lass sie doch..sind doch nur Kinder" war einer der Standartsätze meiner Mutter (Grrr! Nieder mit dem doppeltem Standart!)

Aber wie gesagt, wir sind bis ins hohe Teenageralter immer mitgegangen zu jedem Besuch.  Alles wurde zusammen gemacht. Heute  kriegt man die Kinder und Jugendlichen kaum mehr aus ihren Zimmern raus und von ihren Computern weg. Wir setzten uns auch mal dazu, wenn Besuch kam, oder sagten wenigstens mal 'Hallo'. Heute kriegt man die Kinder kaum zu Gesicht auf Besuchen. Zumindest ist es bei uns so. Ich find's schade.
Ich merke ich schweife ab... und merke, ich werde melancholisch, aber es gibt sooo viel zu diesem Thema zu schreiben, dass ein-zwei Beiträge gar nicht reichen würden. Dazu vielleicht noch ein anderes mal.

Kommen wir zurück zum eigentlichem Thema.

Und zwar zum Thema: Essen!  Was bei uns ja bekanntlich groß geschrieben wird, wenn es um Gastfreundschaft geht.
Gekocht wird bei uns fast nie nach Personenzahl. Deswegen auch fast nie nach Gewichtsangaben. Meistens  Pi mal Daumen. Wenn was übrig bleibt, wird es eben am nächsten Tag verputzt. Deswegen heisst es bei uns immer: "Wir haben einen Gast Schatz, bitte noch einen Teller auf den Tisch (oder 1, oder 2, oder 3...ist völlig wurscht)  Und wenn es eben doch nicht ausreicht, wird eben ganz schnell improvisiert, irgendwas Essbares hat man ja immer im Haus, da ist die türkische Hausfrau ziemlich kreativ und eifrig. Das, was für die deutsche Frau immer heißt: "Ach...das ist doch zuviel Arbeit, das schnibbeln und so..."  darüber kann die türkische Frau nur lachen. Meine Mutter hatte für mich schon immer was von einer Zauberin. Egal wann Besuch vorbeikam, ob spontan oder super-spontan, innerhalb 1-2 Stunden hatte sie den Tisch gedeckt mit vielen leckeren Sachen, es war unglaublich (aus FRISCHEN Zutaten, versteht sich). Und es war für sie sowas von selbstverständlich!

Als damals unsere Nachbarin meiner Mutter vom Festagsessen erzählte, dass sie gekocht habe (ich glaube es war Weihnachten) , wie lange sie in der Küche gestanden habe und dass sie ja soo viel gekocht und vorbereitet habe UND es meiner Mutter zufällig zeigte, war meine Mutter sehr erstaunt. Zuhause erzählte sie uns später lächelnd, dass die deutsche Nachbarin eine Gans in den Ofen geschoben , Knödeln und Rotkohl aus der Dose gemacht hätte.
Und noch irgendwas Süßes zum Nachtisch....und DAS ein Festagsmahl nannte.
Sowas war für sie "mal eben schnell gemacht". Wenn Besuch kam, wurden mindestens 5-6 verschiedene Gerichte vorbereitet, mit dem Schwieriggradsgrad:  mindestens 8-9.  Bei Festtagen das Doppelte. Kam ja auch viel Besuch vorbei.

Niemals gibt es bei uns einen gedeckten Tisch wie bei "Das perfekte Dinner". Also, wo in der Mitte des Tisches irgendwelche Blümchen oder sonstige Dekos zu sehen sind. Nein, jedes Zentimeter an Platz auf dem Tisch, wird ausgenutzt mit irgendwelchen Gerichten, Vorspeisen, Salaten etc.

Wie z.B. hier:



Oder hier:

(Die Fotos sind von einer der besten türkischen Kochblogs: www.portakalagaci.com)


Und immer gut gelaunt sein, dem Gast gegenüber. Niemals anmerken lassen, dass man evtl. möchte, dass sie bald gehen. Auch auf die Uhr nur einen unaffälligen Blick werfen, denn sonst würden sie glauben, dass man denkt: "Hoaach, wann gehen die denn endlich? Es ist schon spät, ich bin müde"  (Sie hätten Recht) Und das Gähnen unterdrücken, bloß nicht sehen lassen. Vielleicht so tun, als wenn man einen Fussel vom Fußboden aufheben wollte -ups! Nein! Auch das nicht, sonst könnten sie ja denken, dass sie ihre Wohnung verdreckt hätten.
Meine Fresse, ist Türke/Türkin sein anstrengend!


Was man z.B. auch niemals nie machen darf als Gastgeber ist, die Gastperson in irgendeiner Weise zu kritisieren, oder ihm in irgendeiner Angelegenheit mal gehörig die Meinung sagen. Also irgendetwas unangenehmes, was zu Diskussionen oder Streit führen könnte. Das macht man dann wenn schon, erst wenn man bei dem anderen zu Besuch ist, oder sonstwo , aber  nie wenn er den Gast-Status hat. Das wäre eine Respektlosigkeit dem Gast gegenüber und zeugt von schlechter Manier.


Es gibt wahrscheinlich noch so vieles, was ich jetzt bestimmt vergesse zu erwähnen, aber um mal zum Ende zu kommen:

ICH persönlich finde, Gastfreundschaft hin oder her. Das ganze hat  -wie so vieles Zwischenmenschliche und Soziale-  am ehesten  mit gute Manieren, viel humanen Eigenschaften, Einfühlungsvermögen, Sensibilität...mit EMPATHIE  zu tun. Menschen mit hoher emotionaler  Intelligenz, sind auch ganz bestimmt gute Gastgeber. Ganz egal ob es Türken, Deutsche, Spanier, Amerikaner, Japaner oder sonst irgendwelche Nationalitäten sind.
Ich habe in meinem Leben so viele Deutsche kennengelernt, die sowas von herzlich und gastfreundlich sind, dass es mich immer total rührt, allein schon wenn ich daran denke.
Und  gleichzeitig kenne ich so viele Türken, die genau das Gegenteil sind.
Deswegen ist für mich emotionale Intelligenz (EQ) ;) was sehr wichtiges , worauf ich sehr viel Wert lege. Hohe Intelligenz können sehr viele Menschen haben, aber die hohe Emotionale haben leider nicht so viele auf der Welt.

Ich beabsichtige  mit solchen Beiträgen auch nicht, die Türken hervorzuheben, oder den Deutschen vor Augen zu führen, dass sie in manchem schlechter sind oder sonst was in der Art, ganz im Gegenteil!
Ich möchte, dass wir uns alle Gedanken machen über einiges, dass wir uns besser kennenlernen, dass eventuelle Vorurteile über uns verschwinden, dass wir uns einfach VERSTEHEN.
Denn ohne gewisse Dinge über den anderen zu kennen, sollte man ihn nicht verurteilen. Schon gar nicht verallgemeinern.

Letztens habe ich in einem Blog , in einem Beitrag negative Meinungen über meine Landsleuten gelesen. Bis dahin find ich es ja noch in Ordnung, ist völlig ok.  Jeder darf seine eigene Meinung haben und diese vertreten.
Ich bin jemand (und das müßte mittlerweile allen, die meinen Blog verfolgen klar sein) , der die Objektivität liebt, der sich dessen völlig bewusst ist, dass es sehr viel berechtigte Kritik zu unseren Landsleuten geben kann und darf, ich selbst kritisiere ja so viel an ihnen. Und das nicht , weil ich mein Land und meine Leute nicht mag, oder sie heruntermachen will, sie ins Lächerliche ziehen, ganz im Gegenteil, ich liebe sie und möchte , dass sie sich mal selbst reflektieren, ihre Fehler,Schwächen und Defizite erkennen, einsehen und daran arbeiten. Wie jedes andere Volk es auch tun sollte.

Diese Meinung in dem Blogbeitrag war völlig ok, wie gesagt. Aber in einem Kommentar dazu hieß es so ungefähr: "Ja...die beherrschen die deutsche Sprache nicht und können sich nicht benehmen"

Darüber kann ich wirklich nur lächeln, weil es einfach sowas von lächerlich ist. Wenn es nur um schlechtes , unverständliches Deutsch sprechen und um  schlechtes Benehmen geht, kenne ich auch sehr viele Deutsche. Hmpff.

Warum also immer diese Verallgemeinerung?? Als wenn es nicht genug Türken geben würde, die sich benehmen können und sogar besser deutsch sprechen als viele Deutsche.
Solche Aussagen sind arm, echt arm. Und dumm.


So, nach dem Wort zum Dienstag, hier zum Abschluß noch ein anderes Beispiel zur türkischen Gastfreundschaft:



"Eintritt eine Million"

"Humor ist keine Gabe des Geistes,
er ist eine Gabe des Herzens. "

Carl Ludwig Börne

Kommentare:

  1. Guten Morgen, Reverend Ayse!
    Ein schönes Wort zum Dienstag.
    Ich finde es sehr angenehm, dass auch die türkische Gastfreundschaft ein bißchen "bröckelt".
    Für meinen deutschen Geist ist das ja ungemein anstrengend und ich finde es jedes Jahr unglaublich, dass ich in der Lage bin ein 3-Gänge-Menu zu Weihnachten zu machen - dieses Jahr werde ich mal einen türkischen Abend versuchen - und wahrscheinlich bis Neujahr im Koma liegen, vor lauter Erschöpfung!!!

    Kannst Du denn auch solche spontanen Besuche bewirten, wie Deine Mama?
    Dann, liebe Ayse, liege ich in Ehrfurcht erstarrt darnieder....

    Eigentlich schade, dass ich nicht noch mehr Blogs finde in denen Völkerverständigung thematisiert wird. Gibt ja noch mehr Nationalitäten auf deutschem Boden.... und die sind bestimmt auch nicht alle humorlos und haben gutes Essen...
    Lieben Gruß, vany

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  2. Ich komme demnächst mal spontan und unangemeldet bei dir vorbei und es wäre schön, wenn es dann Kleinigkeiten wie auf Bild 2 gäbe.
    Muss aber nicht - mach Dir keine Umstände.
    Muhahaar...

    (so, puuuh, schnell noch die 3.Monats-Kommentar-Hürde geschafft!)

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    1. *auf die Armbanduhr guck und mit dem Fuß taptaptap* nnnah...da hat's aber einer mal auf'n letzten Drücker geschafft. Will ich mal so akzeptieren.

      Um gleichzeitig auch vany's Frage zu beantworten (vany, Du liest mit nä?) :

      Klingt jetzt bestimmt übelst großkotzig und alles andere als bescheiden (hab grad das Antonym zu bescheiden nicht gefunden) aaaaberrrr, ich konnte schon mit 17, als ich frisch verheiratet war für 15 Leute kochen (u.a. selbstgemachte Ravioli). Mittlerweile bin ich 45. Solche Tische wie auf den beiden Fotos sind für mich Routine. Noch Fragen?

      (Aber untersteht Euch gefälligst, unangekündigt vor meiner Haustür zu stehen)


      :P

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    2. ich packe schon den Wagen.... wir kommen zu fünft!

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    3. Jetzt mal ohne Spaß und ganz im Ernst. Ich würd mich freuen wie Bolle, wenn ihr meine Gäste werden würdet!

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    4. na, da geh ich mal von aus (message von unterwegs gesendet)...
      nein, Quatsch!
      Ich würde mich auch gern von Dir bewirten lassen und würde Dich gern bewirten. Wir hätten garantiert viel Spaß ;-)

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  3. Die türkische Gastfreundschaft ist ja legendär, aber eben doch auch extrem anstrengend. Die Benimmregeln sind bei uns genauso. Den Gästen das Ehebett zur Verfügung zu stellen - nein, das ist nicht mein Ding. Ich habe das nur ein einziges Mal gemacht, es handelte sich dabei um die alten Schwiegereltern. Das war wenigstens Familie, aber ich finde das Schlafzimmer ist doch ein sehr persönlicher Bereich, der für andere tabu sein sollte.

    Was das Essen angeht und Deine Fähigkeiten so etwas zu zaubern; da kann ich nur vor lauter Erfurcht erstarren. Diese Mengen! Da muß ja schon eine ganze Horde einfallen. Wenn ich an unseren kleinen Haushalt denke, frage ich mich, was ich mit den ganzen Resten anfangen sollte.

    Wir laden unsere Gäste gern ins Restaurant ein - wir haben hier im Umkreis 3 exzellente türkische Lokale! (Die können aber mit Dir nicht mithalten!) Das Essen im Lokal hat den Vorteil, das man sich als Frau den Gästen widmen kann und man sich, weil man keine Arbeit hat, wirklich auf den Gast freuen kann. Das geht natürlich nur, wenn man keine Großfamilie zu bewirten hat. Das würde doch recht schnell die Finanzen überstrapazieren.

    Grüße
    Filinchen


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    1. Sie ist SEHR anstrengend Filinchen! Ich finde manche Dinge völlig unnötig und übertrieben. Ich hatte z.B. deswegen mal meine...äh.. "Kaffeklatsch-Gruppe" verlassen. Das war so, dass wir (so ca. 10-12 Freundinnen) uns immer in bestimmten Abständen (pro Monat) besucht haben. Es nennt sich "Altin Günü" (Gold-Tage. Weil an dem Tag auch die meisten ein kleines Stück Gold mitbringen, was total beliebt ist in der Türkei. Das wird meist als Hochzeitsgeschenk für das Brautpaar gern verwendet) und ist sehr berühmt unter den Türkinnen. Da bringt zum jedem Treffen jeder z.B. 50€ mit, das Geld bekommt die jeweilige Gastgeberin, es gehört ihr. Aber sie hat natürlich den ganzen Stress.
      Den tieferen Sinn hab ich nie so ganz verstanden, aber man kam zusammen, hatte Spaß miteinander und konnte sich vielleicht mit dem vielen Geld, dass man dann in einem Haufen bekommen hat, mal was gönnen, oder sparen (obwohl man es ja in Raten wieder weggibt..äh egal)

      Aber es wurde natürlich wieder soviel vorbereitet jedesmal, genau so wie es auf den Bildern aussieht, dass mir das echt zuviel wurde und ich einen Vorschlag machte: Jeder sollte etwas mitbringen (Salate und deftige Sachen) und der Gastgeber kümmerte sich um den Nachtisch (Kuchen und Süßspeisen) und natürlich Getränke. Dann hätte jeder jedesmal nicht soviel Stress und Arbeit. Fanden erstmal alle klasse, führten wir ein. Aber dann...so mit der Zeit schlich sich wieder die alte Geschichte wieder ein, der Gastgeber machte mal ein paar andere Dinge dazu und immer mehr und immer mehr...bis schliesslich alle wieder die andere Version zurückwollten. Und ich hab dann gesagt: Ihr könnt mich mal! Und hab mich ausgeklickt. Die spinnen ja wohl!:)

      Das ist schon sehr lange her. Mittlerweile gehen solche "Gruppen" auch immer auswärts essen und treffen sich immer in irgendeinem Cafe oder Restaurant, was ich ja NOCH besser finde! Tja, mit der Zeit änderst sich eben so einiges. Das ist auch gut so.

      LG

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  4. Es ist schon vorgekommen, dass die Gastgeberin ihre Gäste quasi aus dem Haus gefeudelt hat.
    Mit dem Staubsauger im Anschlag wartete sie nur darauf, den Driss und Krümmel im Haus wegzusaugen, wenn die "Gäste" nur endlich mitsamt der Brut abgefahren sein würden.
    Sehr gemütlich und definitv ein Grund, noch einmal vorbei zu kommen. Mit zehn Packungen Knäckebrot und einem Hund zusätzlich.

    Viele Grüße,
    Britta von den Lavendelkindern
    (die schon so oft versucht hat, bei Dir zu kommentieren, aber daran gehindert wird von ... irgendwas im Computer.
    Aber: I`ll be back)

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    1. Hallo Britta, schön, dass es mal geklappt hat!

      Also, solche peniblen Gastgeberin mit Sauberkeitswahn hab ich auch schon mal erlebt. Da hab ich dann wirklich keine Lust mehr, da nochmal hinzugehen. ich trau mich bei solchen Frauen gar nicht irgendwas anzupacken, im Badezimmer das Waschbecken nasszuspritzen (wische es danach immer schön mit Toilettenpapier wieder trocken und sauber):)
      Nee..brauch ich nicht sowas.

      LG

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  5. Himmel, ich könnt mir das echt nicht vorstellen spontan 5-6 Personen ein mehrgängiges Menü innerhalb von 1-2 Stunden aufzutischen. Erstmal sind wir hier ein 2-Personen-Haushalt der noch dazu fast täglich frisch einkaufen geht was am Tag, höchstens für 2 Tage reichen sollte und zwar für 2 Personen. Ich hab hier kaum irgendwas an Vorräten da, höchstens Tee und Getränke, Äpfel und Brot. Alles andere würde ja sonst echt schlecht werden, weil wir zu zweit das nie wegkriegen.

    Also entweder beschäftigen türkische Frauen eine Hellseherin die vorab bescheid sagt "in meinem Kaffeesatz hab ich gesehen, übermorgen mittag steht ein 10-köpfiger Besuch vor der Tür), so dass die Mutter gleich vorab einkaufen gehen kann, und alles vorbereitet was geht. Oder es gibt in türkischen Küchen ein Funkgerät/Telefon welches einen sofort mit dem nächsten türkischen Laden verbindet. Der Inhaber schickt dann sofort seinen Neffen mit einem "Spontanbesuch-Notfallpaket" (wieviel Personen? - ok alles klar!) voller frischer und leckerer Sachen zur Mutter, die in zwischen schon mal die Messer wetzt und den Ofen anschmeißt. Heimlich, ohne dass die Gäste etwas merken werden die Sachen aus dem Markt überreicht und schon kann losgelegt werden.

    Was mir auch nicht passen würde, wäre es, wenn ich unehrlich sein müsste,um innerhalb des Gastgeber-Besucher-Rahmens höflich zu bleiben. Weil, ich persönlich würde es als rücksichtslos von meinem Gast mir gegenüber empfinden, wenn er zu spätschlafener Nachtstunde immer noch keine Anstalten macht, nach hause gehen zu wollen. Wieso um alles in der Welt, darf ich dann nicht gähnen, müde sein und meinen Gast darauf hinweisen, wenigstens durch die Blume, dass es echt schon verdammt spät ist und ich schlafen gehen muss. Ich kann ja schlecht am nächsten Tag meinen Chef anrufen und sagen "tut mir leid, kann nicht zur Arbeit, hab immer noch Besuch da/hatte bis spät nachts Besuch zu Hause"

    Ich vermute mal es gibt auch noch weiterführende Gast/Gastgeber-Etiketten wie lange ein Besuchszeitraum angemessen ist, wie früh bzw. wie spät man sich verabschieden sollte, was Gastgeschenke angeht, wie man höflich was formuliert usw.., oder?

    Manu

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    1. Manu..hihi.
      Wie schon erwähnt, heutzutage ist es Gott sei Dank nicht mehr soo schlimm , wie früher. Jeder kündigt seinen Besuch lange vorher an, und je spontaner, desto 'spartanischer' sieht das Angebot aus. Viele sagen auch schon vorher am Telefon: "Bitte nicht so viele Umstände machen, lasst uns einfach nur quatschen und Tee trinken" Wird natürlich nicht beachtet vom Gastgeber, aber man übertreibt es auch nicht - meistens.

      Kam auch schon mal vor, dass man den Gästen sagte: "Gibt ein tolles Retstaurant bei uns hier in der Gegend, dahin möchten wir euch heute einladen"

      Ja, die Menschen sind bequemer geworden. Letztens fiel in einem Gespräch mit ner Freundin der Satz: "Du..was haben wir uns früher immer für einen Stress angetan, wenn Besuch angekündigt war. Gekocht und gebacken und gemacht wie blöd. Heute geht es mir da ganz anders... hab einfach keine Lust mehr soviel zu machen, fällt mir schwer"

      Ok, man wird ja auch nicht jünger *hüstel*

      Also, mich freut diese Entwicklung.
      ICH möchte nicht, dass man mir viel auftischt und sich Umstände macht. Ich freu viel mehr, wenn es völlig locker und ungezwungen abgeht. Ist mir viel symphatischer:)

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    2. Noch ein kleiner Nachtrag:

      Es kommt für mich auf die (authentische) Freundlichkeit und Herzlichkeit des Gastgebers an. Eine tolle Atmosphäre und Gemütlichkeit kann man auch bei ein paar Schnittchen oder Knabberzeugs haben. Hauptsache eine tolle Konversation, Spaß und lachen!

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    3. Ach noch was Manu: Was für ein Zufall, dass Du Kaffesatzlesen erwähnst. Ich hatte vor, in meinem nächsten Beitrag davon zu erzählen.
      Stay tuned!:)

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  6. Liebe Ayse,
    ich hatte hier schon einen langen Kommentar geschrieben und dachte dann aber, ach, das ist alles auch nicht so wichtig.... Danke für Deinen Post. Ich habe schöne Erinnerungen gehabt und in der Vergangenheit geschwelgt mit tollen Menschen!
    Allerliebste Grüße
    Brinja

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    1. Schade Brinja, ich hätte es gerne gelesen.
      Freut mich sehr, dass Du diesbezüglich schöne Erinnerungen hast.
      Liebste Grüße

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  7. Möchte der Behauptung mit IQ und EQ zwar nicht grundsätzlich widersprechen, jedoch einwerfen, dass gegenseitige Toleranz und Verständnis in erster Linie etwas mit dem Kennenlernen und dem Einblick in die Lebensweise des Anderen zu tun haben, denn wir wachsen nunmal alle mit Vorurteilen und Klischees auf (übrigens auch positiven, nicht nur negativen), wobei unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten den Effekt noch verstärken.

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    1. Klar, da ist auch was d'ran, an dem was Du da schreibst.
      Aber es gibt nun mal Menschen, die anderen Personen -ohne irgendwelche Vorkenntnisse etc.- einfach wohlwollend begegnen und offen sind, ohne über sie zu Urteilen.
      Weil sie eben sehr human sind. Sie versuchen auch in erster Linie nur den MENSCHEN zu sehen und nicht nur seine Nationalität.

      Ich finde es nicht richtig, einen z.B. kriminellen Türken zu verurteilen, weil er Türke ist. Man sollte ihn verurteilen weil er kriminell ist. Denn kriminell sein, oder sich schlecht benehmen, oder sonstwas, können auch Deutsche.
      Ich bedaure es immer, wenn man gleich alle auf einem Kamm schert und vergisst, dass was sie an diesen Menschen kritisieren, meistens auch genauso auf ihre eigenen Landsleute zutrifft.

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  8. Da könnten wir jetzt in die altbekannte Diskussion einsteigen, inwiefern Menschen human oder auch sozial von Geburt aus sind oder ob ihnen das beigebracht werden muss. Ich glaube letzteres. Wenn jemand in einem Umfeld aufwächst, wo es vor negativen Vorurteilen nur so wimmelt, wird es schwer sein, sich dem zu entziehen und er/sie nimmt das (meistens) an. Erfolgt später keine Korrektur durch aktives Erleben, ist da Hopfen und Malz verloren.

    Ich gehe übrigens, was den zweiten Teil deiner Antwort angeht, völlig konform, aber sage auch: Machen wir uns doch nix vor, das hat ein bisschen was von Sozialromantik. Menschen sind in der Mehrzahl eben nicht so, sondern denken in Schienen und Schubladen. Ausserdem brauchen sie immer einen Sündenbock. Am Anfang meines Blogs findest du ´ne ganze Menge über solche und artverwandte Themen.

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    1. Ja, ich bin wohl eine unverbesserliche Sozialromantikerin, die versucht auf ihre eigene (für viele naiv erscheinende) Art die Welt zu verbessern. Aber das wird mich nicht davon abhalten, meine Meinungen zu diesen Themen zu äussern.

      Werde bei Gelegenheit mal bei dir stöbern, danke für den Hinweis.

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  9. Ich habe schallend gelacht beim Absatz mit der Nachbarin deiner Mutter... köstlich!

    Ach, ich lese einfach SO.GERNE. deine Posts, das ist spannend, interessant, humorvoll und kurzweilig geschrieben!
    Und den Kürzel "EQ" haste völlig zurecht *heftigmitdemKopfnick*.

    (hatte ich schon erwähnt, dass ich auf so türkisches Zeug stehe? Ich mache das Auto mit Juliane und Vany mit Hütchen voll, wir können auch zu dritt in Euren Ehebett schlafen, mach dir nur nicht zu viele Umstände...)

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    1. Boah, wär DAS schööön!
      Ihr solltet wirklich mal zu mir zu Besuch kommen, ich bekoche Euch mit den leckersten , türkischen Sachen. Es gibt einen groooßen Tisch mit selbstgehäkelten Platzdeckchen. Danach gibt's Mokka und ihr dürft dann auch 'umdrehen', versprochen. Die Richtung nach Mekka braucht Ihr ja Gott sei Dank nicht, denn ich hab keinen Kompaß im Haus. Ich schau nicht auf die Wanduhr, denn die ist ja eh kaputt. Wenn ich gähnen muss, dann guck ich auf die Decke und sage: Haach, unsere Decke müsste auch mal gestrichen werden" oder so.

      Ich verteile auch Zahnbürsten und am nächsten Tag, vor der Abreise (wobei ich Euch natürlich alle bis zum Auto bringe und Euch einen Eimer Wasser hinterher werfe -was das bedeuten soll, erfahrt in in Teil3- )sagt dann evtl. der eine oder andere in seine Kamera für das Homevideo: "Das Fleisch hätte noch ein bisschen durch sein können, die Hauspantoffeln ne Nummer größer, aber alles in allem war es ein gelungener Abend, wir hatten viel Spass bei dem Bauchtanz, den Ayse uns vorgeführt hat...deswegen...10 Punkte"


      So ein Treffen bei mir, sollten wir wirklich mal organisieren. Echt jetzt! Wäre DAS ein Gaudi!:)

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  10. Hallo Ayse,
    wie wunderbar, dass ich dich gestern gefunden habe (über einen Kommentar von dir bei Joannas Outfitpost)....dein Name und dein halbes Bild haben mich neugierig gemacht und so bin ich gestern bei dir geblieben und habe gestöbert und gelacht...du schreibst toll....und hast eine regelmäßige Leserin mehr....und ich freue mich über deine türkischen Wurzeln und dass du uns in deiner unnachahmlichen Art die Kultur näher bringst.....im Auto läuft zur Zeit meine MP 3 mit türkischer Popmusik, die ich mir in einem Urlaub in einem kleinen Supermark gekauft habe.....und du wirst es nicht glauben, bei einigen Titeln singe ich laut mit (trotz der vielen üüüüü.....die Vorfreude auf den Uraub in der Türkei wächst täglich....
    Viele liebe Grüße von:
    Silke
    P.S. Am meisten wieder erkannt habe ich mich bei deiner Schilderung über dei Gastfreundschaft, als du die deutsche Nachbarin beschrieben hast, die so aufwändig zu Weihnachten gekocht hat :))

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  11. Ooh Silke, was für ein herzlicher Kommentar, DANKE! Wo warst Du denn schon in der Türkei? Und wo soll es das nächste Mal hingehen? Freut mich ja schon mal sehr, dass Du mehr als einmal dahin möchtest:)

    PS: Du kochst also auch immer so aufwendig an Feiertagen? *kicher*

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    1. Merhaba Ayse,
      uns zieht es immer an die türkische Riviera, in die Nähe von Side. Wir waren schon in Colakli und in Kumköy und jetzt sind wir in Sorgun, auf der anderen Seite des Tempels von Side....ich freue mich schon sehr und staune immer wieder über das Mischmasch der Dialekte dort.....ein Türke in der Türkei, der einen auf Deutsch anspricht mit schwäbischen Akzent. Und sie sehen ganz genau, dass wir Deutsche sind :) (ich hoffe, ich muss mir keine Sorgen machen)....das Anquatschen vor Lokalen und Geschäften finde ich nicht so wild, ein freundliches Nein mit einem Lächeln wird meist akzeptiert und einige schaffen es mit einem witzigen Spruch uns doch noch in die Läden zu ziehen...haben auch schon einen einheimischen Friseur getestet.....die Augen von meinem Freund hättest du sehen sollen, als die kleine Fackel angezündet wurde, um die Haare aus den Ohren zu entfernen....und meine Haut im Gesicht war glatt wie ein Kinder....dabei sollten doch nur die Augenbrauen gezupft (mit Faden, fazsnierend) und die Oberlippe schön gemacht werden.....ich fühle mich sehr wohl in deinem Land und habe immer wieder den Eindruck, dass wir uns in den letzen 40 Jahren "angenähert" haben....vieles ist einem eben nicht mehr fremd, sondern bekannt.....im letzte Jahr waren wir zum Opferfest dort und in dem Hotel waren sehr viele einheimische Familien.....die Verständigung klappt irgendwie am Büffet, wenn ich eine exotische Nachspeise sah, mit Englisch kommt man nicht weit....Kinder waren das verbindende Element, vor allem die türkischen Väter waren hin und weg und haben geschäkert egal ob deutscher oder türkische Nachwuchs.....
      und die Toleranz ist mir aufgefallen, es gab einige Abendveranstaltungen, die Firmen dort durchgeführt haben....alle Frauen haben posiert, ob mit Schleier oder im Abendkleid mit Spaghettiträgern.......du siehst, ich bin voller Eindrücke und schon gespannt, was ich dieses Jahr mitnehmen kann...
      Liebe Grüße von:
      SIlke

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    2. kein Schleier, ich meine Kopftuch.....sorry

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  12. Ich hab jetzt mal ne ganz ungewöhnliche Frage, Ayse.
    Letztes Jahr musste ich einiges an Außendienst machen, unter anderem auch bei türkischen Familien. Eine dieser Familien hat mir Essen und Trinken angeboten, ich habe abgelehnt (nur den Eistee, den MUSSTE ich nehmen). Ich vermute, dass das arg unhöflich von mir war, nur bleibt mir leider nix anderes übrig. Ich hab ne Lebensmittelunverträglichkeit und darf einiges nicht essen, hatte jedoch keinerlei Bedürfnis mit den Leuten, mit denen ich in beruflichem Kontakt stehe, dies zu erörtern. Ich war wirklich unhöflich, hm? Wie könnt ich das nächstes Mal besser machen?

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  13. Verdammt, das Ding löscht heute STÄNDIG meine Kommentare! Jetzt probier ichs erst mal so...

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  14. Hallo, hallo, hier ist Nadine von nadineswelt... verdammt, blogspot mag mich heute nicht, ich kann nicht kommentieren... evtl gehts ja anonym?

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