Mittwoch, 29. August 2012

Türkisch für Anfänger (und gleich wieder Aufhörer)


Liebe deutsche Mitbürger (ohne Migrationshintergrund).
Hiermit möchte ich mal meinen Beitrag zur Integration leisten und Euch ein paar wichtige, grundlegende Fakten der türkischen Sprache mitteilen.

Denn ich finde  nach 50 Jahren  solltet Ihr es endlich mal gelernt haben, wenigstens die türkischen Namen richtig auszusprechen. Ganz besonders sollten sich jetzt z.B. die Arzthelferinnen oder die Lehrer unter Euch angesprochen fühlen.
Denn ich bin es Leid, jedesmal wenn ich aufgerufen werde, eine andere, fürchterliche Version meines Namens  hören zu müssen (das Original ist schon schlimm genug!) Ich möchte dann immer am liebsten  -mit dem Gesicht nach unten- den anderen im Wartezimmer beim Rausgehen zuflüstern: "Das bin ich nicht, die muss sich vertan haben, ich geh das mal klären."

Es reicht mir persönlich schon, wenn Ihr Euch folgende Dinge merkt:

1. Das 'Z' wird im türkischen wie ein weiches 'S' ausgesprochen.

2. Das 'C'  wird immer so ausgesprochen: Dsch, also nicht Tsch,  sondern weicher, mehr wie Djjj.

3. Im türkischen gibt es auch die sogenannten 'diaktrischen Zeichen', also zusätzlich noch ein Strich/Häckchen/Punkt unter einigen Buchstaben. Wenn es also 'C' mit einem Strich darunter ist, nämlich 'Ç' , dann wird's so ausgesprochen: Tsch, also härter (wie im englischen : Bitch)

4. Ein 'S' mit einem Strich drunter =  'Ş', =Sch. 

Wenn diese Zeichen -wie es ja meistens der Fall ist-  nicht zu erkennen/lesen sind, dann ist es ja klar, dass Ihr es nicht wissen könnt und es so ausspricht, wie Ihr es kennt. Aber das 'C' wird immer so ausgesprochen, das könnt Ihr Euch schon mal merken. Also Namen wie Cem oder Canan  hören sich immer so an: Jem, Janan, wie im englischen John oder Jane.

5. Und  da gibt es noch den 'yumuşak G', also das 'weiche G', das wie folgt aussieht: Ğ.  Das wird dann z.B. so ausgesprochen: Bağ =Bahr , Soğan= Soan , Niğde= Niede 
Also Ihr seht, ein SEHR weiches G , wird möglichst langgezogen.

6. Der Buchstabe 'ı' , also ein i ohne Punkt gibt es auch noch, aber das ist jetzt wirklich schwer zu schreiben, wie es ausgesprochen wird. Hmm....wie könnte ich es am besten... ich hab's! :

Ihr kennt ja das englische Wort 'irresistible' z.B. 
Davon die letzte Silbe, dieses 'ble'. Dieses Vokal, das zwischen dem b und dem l zu hören ist, genauso ist es mit der Aussprache bei diesem Buchstaben . Irresisti-ble , also 'bıl', = Irresistıbıl ,  habt'ers?

Also nix mehr mit "ErdoGGan"  , "Frau Ööötsgür (Özgür)", oder  "Frau Aakaar (Acar)" oder "Herr Ertunk (Ertunç) usw.

Ab jetzt nur noch: Ministerpräsident Erdoan (obwohl, die Hackfresse könnt ihr von mir aus nennen , wie Ihr wollt) Frau Ösgür, Frau Adschar, Herr Ertuntsch

So, ich glaub das war's für's erste. Wenn Ihr Euch diese Sachen merken könntet, dann würden wir uns gegenseitig so ein...äh... ich sag mal 'auditives Fauxpas' ersparen und Ihr würdet uns sehr glücklich machen. Das haben wir nach fuffzig Jahren auch ein wenig verdient finde ich. Nix da "türkische Namen sind ja so schwierig".

Aber  Namen wie Kaczynski oder Iwanczyk nicht nur aussprechen, sondern evtl. noch buchstabieren können, ne?!!! Ist doch wahr hömma.


Kommentare:

  1. Was ich nie herausbekommen habe:
    wie wird HATICE ausgesprochen?
    Hatitsche?
    Hatiiisss?
    Haddiiische?
    Sach ma!

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    1. Also, was haben wir gelernt? *Frollein Rottenmeier-Styla*

      C=dsch, besser djj (ganz weich) also: Hatidjje.

      Noch Fragen?

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  2. Danke, Aysche, ich bin froh, dass das mal geklärt ist! Kilamaczowsky ist auch ein schöner Name *kicher*
    Für uns Krauts ist das nicht so einfach... da geht Dschakkeline einfach besser von der Zunge *brüll*
    Ich hatte im Job vorher sehr viel mit türkischen, jugoslawischen, polnischen etc. Namen zu tun. Ich finde, man sollte sich immer bemühen, dass der/die Angesprochene auch weiß, wer gemeint ist... im Zweifel übe ich das. Das hat mit Respekt zu tun - finde ich.
    Lieben Gruß, vany

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    1. "da geht Dschakkeline einfach besser von der Zunge"

      *michwegschmeiß*

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  3. Ich kann's, ich kann's!!!

    Also...Kaczynski buchstabieren meine ich.
    Und Kilamaczowsky und so Sachen.
    (das Eure kann ich mir nie im Leben merken, hömma! Ist ja wohl sauschwer!)

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    1. Ha! Sag ich doch! Da sind se, meine Pappenheimer:)

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    1. Ich glaub, das sollte ich mal in Angriff nehmen. Ob es evtl. eine Marktlücke ist? *Dollarzeichen in den Augen*

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  5. Bin üsch krass Lehra.

    Nee, mal ernsthaft. Danke für den Lehrgang, den werde ich mir ausdrucken, meinen lieben Kolleginnen und Kollegen hinlegen und mich selbst an meinen Teilnehmern üben. Sinnig ist, dass ich gerade heute (bin ja als berufsvorbereitender Begleiter und Entscheider Dummes und Leid gewohnt) meine neuen Teilnehmer gefragt habe, wie sie gern ihren Namen ausgesprochen hätten.

    Dabei kam ans Tageslicht, dass "Cetin" gern wie "Zetin" angesprochen werden möchte und "Öztürk" gern "Öztürk". In Wanne-Eickel ist also die deutsche Aussprache angekommen. Den alten Türken wird es die Haare sträuben, aber ich bin unschuldig. *vollschwör* :)

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    1. Boah, diese Nestbeschmutzer!! ;)

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    2. Folgendes Gespräch entwickelt sich da immer wieder gern:

      TN: ... ich bin Türkin.
      I: Wo bist du geboren?
      TN: In Wanne.
      I: Das ist in Deutschland, Ruhrgebiet. Also bist du Deutsche.
      TN: Neiiiiiiin, ich bin voll die Türkin.
      I: Welchen Ausweis hast du?
      TN: Einen Perso.
      I: Und welche Nationalität steht darin?
      TN: Keine Ahnung, Türkin.
      I: Schau nach!
      TN: (sieht sich den Personalausweis an) krass, da steht deutsch.
      I: Siehst du, du bist Deutsche.
      TN: Nein Mann, ich bin Türkin.

      Merke: Du bist nur dann Deutschland, wenn du dich wie Deutschland fühlst. :)

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    3. Bei manchen Menschen möchte man auch gar nicht, dass sie Deutschland sind.
      Auch nicht Türkei.
      Sie sollen überhaupt gar nicht 'SEIN' :)

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  6. Mein Mädchenname war polnisch, fing mit nem "C" an und JEDER hat es Dsch ausgesprochen. Dabei war es Z. Wie ich oft geheißen hab, das geht auf keine Kuhhaut. Allerdings tu ich mich (aus eigenem Leid ^^) mit polnischen Nachnamen am Leichtesten. Auch wenn ich oft der Meinung bin, dass da ein paar Vokale fehlen müssen. Dass "die Polen" vermutlich einfach mal blind auf ne Schreibmaschinetastatur gehauen haben müssen, bei dem, was da raus kam.
    Die "geläufigen" türkischen Vornamen von Ayse über Hatice zu Nazmiye und von Cem über Özgür zu Ayhan hab ich aber drauf, glaub ich! Nur mit Güllü werd ich nicht warm. Nicht wegs der Aussprache, aber ich find den Namen echt brontal heftig.

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    1. Güllü....:) klingt für deutsche Ohren natürlich heftig, aber im türkischen heißt Gül= Rose. Es heißt also irgend sowas ähnliches wie rosig. Es gibt daher viele Namen mit Gül. Gülnaz, Gülcan, Gülay, Birgül usw.
      'Gül' ist auch der Imperativ des Verbs gülmek=lachen.

      Aber nichtsdestotrotz hatte ich ja schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dass türkische Eltern gut überlegen sollten, welchen Namen sie ihren Kindern geben. Wenn es hier in Deutschland aufwachsen soll, sollte man wirklich keine Namen geben, mit denen die Kinder später zur Lachnummer werden würden.

      Bekannte von mir gaben ihrem Kind letztens den Namen "Asil". Es heißt 'edel/nobel/adelig' auf türkisch (auf türkisch finde ich es auch schon gewöhnungsbedürftig)
      Ich habe sie vorher gewarnt, aber sie wollten es ja unbedingt. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie das arme Kind in der Schule aufgezogen wird. "Ey du Asi" oder "Asyl" wird das Kind noch sehr oft hören befürchte ich. Ich finde, sowas sollten die Eltern den Kindern wirklich ersparen.

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  7. Verzeihung, ich muss leider noch ein paar Namensversionen zum Besten geben, die mir heute entgegen gebracht wurden.

    Nazlican 1 spricht sich "Nasslikan",
    Nazlican 2 fühlt sich mit "Naaslitschan" angesprochen,
    Gül Fidan möchte gern "Glfiddan" ausgesprochen werden und
    Cem 1 hört gern auf "Tschem", während
    Cem 2 lieber auf "Kemm" hört.

    Was denn nun wieder? *grmpf* Tiefstes Ruhrgebiet, Dein Sprachwirrwarr ist schier babylonisch.

    Wobei das nicht das Ende ist und die russischmigrierten meiner Teilnehmer auch solche Wirren erzeugen.

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    1. 'Kemm' ... 'Nasslikan'... da sträuben sich bei mir echt die Nackenhaare.
      Ich werde es nie verstehen, warum man seinen Namen so verunstaltet hören möchte.
      Ein Deutscher, Namens Manfred z.B., möchte doch bestimmt auch nicht freiwillig "Mennfreck" oder so genannt werden. Tss... die spinnen, die Türken!

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  8. ach jetzt bin ich noch mehr verwirrt. Kenn isch keine Türken, muss ich mir net merken! ;) aber mal ausdrucken, nur im Fall der Fälle will ich misch net blamieren! Damals, vor laaaaaaanger Zeit als ich bei der Post arbeitete und brav Brieflein verteilte, hatte ich für alle möglichen Leuts den Richtigen Spruch. Also "sie haben ein Einschreiben" in Russisch, Türkisch und Italienisch..usw....... leider alles wieder vergessen, wurde mir von netten Mitbürgern beigebracht und die waren dann auch alle ziemelich erstaunt wenn ich sie in ihrer Landessprache grüßte :D Aber schön das ich jetzt noch mal nen Grundkurs hatte! Merci, äh, Danke! ;)

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    1. Das war ja mal ein ganz besonders netter Service, thumbs up!:)

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  9. Ich weiß, ich bin ein bisschen spät mit dem Kommentar, aber genau das hab ich letztens auch gedacht, als wieder eine Frau Ötztürk in den Nachrichten erschien. Der einzige Trost ist, dass auch nach 80 oder 90 Jahren der Migration von Polen ins Ruhrgebiet auch heute noch keiner weiß, wie sich Przykalla ausspricht. Und mein Name, eingedeutscht aus einem uralten französischen Original, ist die Lachnummer schlechthin. Meine Eltern haben eine Zeitlang mal die merkwürdigsten Schreibweisen gesammelt. Vielleicht habe ich daher das Gefühl, dass ein falsch geschriebener und/oder falsch ausgesprochener Name eine der fiesesten Unhöflichkeiten ist, die es so gibt. Keep on schreibing, Ayse-mit-Häkchen-unterm-s!

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    1. Ach, Lily....es ist so schrecklich...
      Mein jetziger Nachname ist ja (wie ich finde) noh schlimmer als mein bisheriger. Abgesehen davon, dass ich mich noch gar nicht an ihn gewöhnt habe, wird er ja auch noch falsch ausgesprochen (aber sowas von!) , dass ich es letztens im Wartezimmer wohl total verpasst habe, als man mich aufgerufen hat. Ich habe schlichtweg gar nicht reagiert, weil ich mich nicht angesprochen fühlte:)
      Daran wird sich wohl niemals was ändern, damit müssen wir uns einfach abfinden.

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  10. Sehr später Kommentar, da eben erst gelesen: Erstens: Danke für die Aussprachehilfe, ich habe bisher manches instinktiv richtig gemacht, aber nicht alles. Und in der Klasse meines Sohnes hat es zwar mehr türkische als deutsche Namen, aber die Betreffenden passen sich ja oft selber an die deutsch-falsche Aussprache an (s.o.). Zweitens: ich habe ja einen ungarischen Namen angeheiratet, und ich bin wirklich sehr froh, dass mein Mann einen kurzen und von deutschen Zungen (fast) ganz richtig auszusprechenden Nachnamen hat und nicht "Gyöngyössi" oder "Csikszentmihály" (man stelle sich vor - das ständig buchstabieren zu müssen...)! Ich kenne übrigens gleich mehrere ungarischstämmige Menschen mit Namen "Nagy" (gesprochen "Nodj"), denen das dauernde Erklärenmüssen so auf den Wecker ging, dass der eine sich immer als "Nagi" vorstellt und ein Ehepaar seinen Namen ganz offiziell in "Notsch" ändern ließ.
    Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es den Menschen in anderen Ländern mit manchen deutschen Namen kein Haar besser geht... :-)

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    1. Das denke ich auch:) Vielen Dank für Dein Kommentar!

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