Mittwoch, 1. August 2012

Mein Gott, dein Gott, ogottogott!




Religion.
Ein sensibles Thema, ich weiß.
Leider auch seit eh und jeh ein Streitthema. Nicht nur zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen, sondern auch untereinander. Wir befinden uns zur Zeit gerade mitten im Ramadan. Da wird sich ja bekanntlich den Wolf gefastet , unter den Moslems. Aber jedem das seine. Jeder so wie er will und glaubt.

Und genau DAS ist das Problem. Selbst die Muslime unter sich, zeigen meistens kein Verständnis für den anderen. Sobald einer nicht so lebt oder glaubt wie sie es selbst tun, der wird verurteilt. Direkt oder indirekt.  Ooooh, da fastet jemand nicht oder er isst Schweinefleisch! Eine Schande! Er trinkt Alkohol ...und das noch an Ramadan, der gehört direkt in die Hölle! Die säkulare Lebensform wird von den Islamisten permanent kritisiert, belächelt und verurteilt.
Aber auch umgekehrt, werden die streng gläubigen, von den achso Modernen herablassend behandelt: DIE trägt Kopftuch....iiiiii...wie unmodern und banaaal! WIR sind ja so weltoffen , so liberaaal und so up to date, you know?
Mein Gott -oder Allah, ist ja wurscht, alles da gleiche-  lasst euch doch gegenseitig einfach in Ruhe Herrschaftszeiten! Soll doch jeder so Leben, wie er glücklich wird. Die einen mit ihren Gebeten und Kopftüchern, die anderen ohne.

Was habt ihr persönlich davon,
wenn euer Gegenüber es tut oder nicht tut? Was nützt MIR persönlich, in zwischenmenschlichen Dialogen, ob derjenige zuhause 5 mal am Tag betet, fastet oder nicht? Nützt es mir was? Oder schadet es mir? Was für mich einzig und allein zählt, ist doch, wie er im Umgang als MENSCH ist, dass er respektvoll und freundlich mit den Menschen umgeht, dass er ehrlich und aufrichtig ist, dass er gute Charaktereigenschaften hat.
Ob nun streng gläubig oder nicht, das eine oder das andere schließt all diese guten Eigenschaften doch nicht aus?! Jeder, aber auch JEDER kann doch ein feiner Mensch sein, egal an wen oder was er glaubt.
Auch wenn der eine oder andere sagt: "So einen bin ich noch nie begegnet. Wenn jemand so ist, muss er ja so sein"  Das GLAUBST du nur!

Sind alle Blondinen blöd?
Sind alle Türken schwarzhaarig?
Sind alle Deutschen blond und blauäugig?
Sind z.B. alle Kinder gleich, die du erziehst? Haben alle die gleichen Eigenschaften? Der eine wird ein Musterknabe, der andere ein Rebell. Der eine wird ein hetero und der andere evtl ein homosexueller. Hast DU ihm das beigebracht? Ist er jetzt dadurch ein schlechter oder unliebenswürdiger Mensch? Ganz bestimmt NICHT!

Ich bin in einer sehr konservativen und  -mütterlicherseits-  ziemlich religiösen Familie aufgewachsen. Meine Mutter macht mir heute zwischendurch immer wieder unterschwellige Vorwürfe, weil ich ihr nicht religiös genug bin,  meine Kinder auch nicht so religiös erziehe, dass sie nicht beten können, keine Gebete können (Gebete =Suren sind alle auf arabisch. Man muss also alles auf arabisch auswendig lernen, wovon man zu 90% davon nicht versteht, was man da runterasselt). Aber MIR wurde es ja mal beigebracht...bin ich jetzt deswegen viel religiöser geworden? Na also...

Ich möchte meine Kinder zu keinem Glauben zwingen. Ich werde es ihnen evtl. nahelegen, aber niemals zwingen. Wenn sie erwachsen werden (der eine ist es schon), sollen sie selber entscheiden, was gut für sie ist, woran sie glauben oder nicht glauben möchten. Mein älterer Sohn hat irgendwann mit 17-18 den Islam für sich entdeckt, hat einiges selber gelernt und durchgeführt, weil er es SELBST erkannt hat und es selbst entschieden hat. Keiner hat ihn genötigt dazu. Der jüngere Sohn soll es genauso selbst entscheiden dürfen.
Ich würde zwar erstmal schlucken, aber sie immernoch lieben, wenn sie mir sogar sagen würden "Mama, ich möchte zum (z.B.) Christentum konvertieren"

Ich habe immer versucht meinen Kindern auf den Weg mitzugeben, ein möglichst guter Mensch zu sein.
Sich immer respektvoll und tolerant den Menschen gegenüber zu verhalten, keine Vorurteile zu haben, hilfsbereit , ehrlich und gewissenhaft zu sein, Ideale zu haben, Rückgrat und -wenn nötig- Ellenbogen zeigen zu können.

Niemals negativ auffallen, möglichst niemandem Umstände machen oder stören (schon gar nicht illegal oder unmoralisch handeln), sich seiner Umwelt anpassen,  ohne seine Wurzeln und Traditionen zu vergessen.
Und ich kann mit gutem Gewissen und goßer Zufriedenheit behaupten, dass sie das meiste und wichtigste davon mitgenommen haben...und es hoffentlich irgendwann ihren eigenen Kindern mitgeben können.

DAS ist es doch, was eigentlich zählt, was den Menschen untereinander wichtig sein sollte.
Und was zwischen Gott und dem Menschen passiert, das sollte auch nur den Menschen selbst interessieren, sonst niemanden.
Klar gesellt sich nun mal gleich und gleich gern, und gerade bei der Partnerwahl z.B., möchte (und sollte man evtl.) auf bestimmte Gemeinsamkeiten achten (selbst dann dürfte das kein Problem sein), aber ich rede hier von einem Miteinander in der Gesellschaft, Nachbarschaft, Arbeitswelt etc.


Denn generell gilt für mich:

Ich als Muslimin , würde einen ehrlichen aufrichtigen Christen, einem verabscheuungswürdigen, respektlosen Moslem vorziehen.
Ich als Muslimin, würde einen respektvollen und liebenswürdigen Buddhisten, einem hinterhältigen und grausamen Moslem vorziehen, GENAUSO, wie ich einen charaktervollen und liebenswürdigen Moslem, einem hochstaplerischen, hinterhältigen Christen vorziehen würde. Punkt.

Es sind immer die menschlichen Werte, die einen Menschen für mich wertvoll, oder liebenswürdig machen. Nicht die Religion. Wenn die stimmen, dann ist es mir völlig wurscht, ob er in seinen vier Wänden oder in der Moschee, oder in der Synagoge, oder in der Kirche, oder sonstwo, einen Gott anbetet, einen Kaktus oder eine Stechmücke - oder gar nicht.
(Und eigentlich schreibt jede Religion vor, was für ein Mensch mein sein sollte, nämlich ein Guter. Wenn also alle , die von sich behaupten, dass sie ja soo religiös sind, sich auch WIRKLICH an alles halten würden, dann sehe alles sowieso ganz anders aus)
Und ich glaube auch beim besten Willen nicht, dass der liebe Gott/Allah (wenn es ihn gibt...ich möchte d'ran glauben) , die Menschen nach dem Tod, nach seinem Glauben aussortiert oder kategorisiert.

-Du Moslem! Komm, du darfst sofort ins Paradies, weil du ein Moslem bist und an Mohammed glaubst und nicht an Jesus. Gut gemacht!

-Was , du bist Christ und kein Moslem? Für euch ist die Hölle reserviert, einfach an der Wand lang! Hop hop hop! Neee, komm..laber nich...interessiert mich nicht, was für ein guter Mensch du eigentlich warst.

-Waaas? Buddhist?? Du kannst DIREKT durchgehen Freundchen, da lang, wo es immer wärmer wird, Abmarsch! Tja, war wohl nix wa?


Neee... das glaub ich einfach nicht,  m-m!

Kommentare:

  1. Das unterschreibe ich!
    Kann gar nichts weiter dazu sagen - das hast Du schon alles geschrieben ;-)
    Lieben Gruß, vany
    PS:die Busfahren-mit-hundert-euro-schein-Geschichte war sehr lustig!

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  2. Liebe Ayse,

    ein sehr guter Text.
    Besser kann man es nicht schreiben.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  3. Sehr interessant und gut geschrieben. Ich bin der Meinung, es kann jeder machen was er will, solange er "es" keinem anderen aufzwingt und versucht ihn zu "bekehren". Wenn man das wie du, auch noch mit den eigenen Kindern schafft... besser geht´s nicht.

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  4. Ihr Lieben, danke für Eure Kommentare dazu.

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  5. du hast Recht! Und es ist alles dazu schon gesagt worden!

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  6. So sollten eigentlich alle Menschen denken. Egal, welcher Religion man angehört (eigentlich wird man ja in sie hineingeboren), denke ich, daß es in allen Glaubensgemeinschaften ein Gebot gibt, seinen Mitmenschen zu lieben wie sich selbst, bzw. ihn so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

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    1. Ja EIGENTLICH... aber uneigentlich ist es immer anders, leider. Ich denke auch , dass dieses Gebot an erster Stelle steht, in allen Religionen. Nur leider fällt es vielen Menschen schwer, sich daran zu halten.
      Abgesehen davon finde ich persönlich nicht, dass man als Mensch eine Religion für so eine Einstellung braucht.
      Ich brauche keine, die mir sowas beibringt. Man sollte auch SO in der Lage dazu sein als Mensch, wenn man das Herz am rechten Fleck trägt und eine dementsprechende Erziehung genossen hat als Kind.

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  7. Ja, die Erziehung! Da stimme ich Ihnen völlig zu. Aber, die Erziehung ist doch in der Regel von den ethischen Werten geprägt, die uns die Religion (bisher?) immer vermittelt hat. Wie ich den Medien entnehme, gibt es heute in den Schulen den (hoffentlich) religionsneutralen Unterricht. Vielleicht ist das der erste Schritt zu einem besseren Miteinander. Andererseits, wenn ich die Mitmenschen, insbesondere die Politiker und sonstige "Eliten" betrachte, möchte ich das fast bezweifeln. Tausende Jahre Religion haben den Menschen leider nicht besser gemacht, aber vielleicht etwas im Zaum gehalten. Andererseits hat das auch zu unsäglichen Kriegen, Eroberungen, Verfolgungen, Folterungen etc. geführt. Ach, das ist alles ein weites Feld...

    Ich komme mit der Anmeldung bei Ihnen nicht klar; mein Name ist Filinchen.

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